So wie’s war, wird’s nicht mehr

2. März 2007, 18:33
posten

Mit dem elenden elften Staffel-Platz haben sich Österreichs Langläufer endgültig von ihrem erfolgreichsten Jahr­zehnt verabschiedet - Michael Botwinow gehörte dem Team zum letzten Mal an, helfen konnte er nicht mehr

Sigi Lützow aus Sapporo

Mitunter kann die Rückkehr zu den Anfängen eine bittere sein. Österreichs Langlauf scheint am Freitag zurückgekehrt zu sein in die Zeit, als nur ein paar Individualisten existierten und von einer Mannschaft keine Rede war. Die Herren Markus Gandler, Alois Stadlober, Michael Botwinow, Christian Hoffmann – die waren eine Mannschaft, Walter Mayers Mannschaft, die in der Ramsau 1999 Staffelgold erbeutete. Gandler und Stadlober sind als Sportdirektor bzw. Leiter des Stützpunktes Ramsau nur noch an der Loipe aktiv, Mayer hat sich letztlich schon durch die so genannte Blutbeutel-Affäre bei den Olympischen Spielen 2002 in Salt Lake City aus dem Spiel genommen. Die Turiner Posse vernichtete den letzten Rest seiner Reputation.

Mit Ende der Saison nimmt sich Botwinow, wenn auch ganz anders als Mayer, aus dem Spiel. Er hört schlicht auf. Am Freitag und in Shirahatajama lief der 39-Jährige sein letztes WM-Staffelrennen für Österreich. Er lief es ganz schlecht. Nahezu zwei der mehr als vier Minuten, die das ÖSV-Quartett auf Sieger Norwegen aufriss, gingen auf Botwinows Konto. Die perfekte Vorarbeit für den eher desaströsen elften Platz lieferte Startläufer Martin Tauber, indem er die Spitzengruppe ziehen ließ, um Botwinow alleiniges Stapfen über die Strecke zu ermöglichen. Der Tiroler, der vier Tage Vorbereitung in Japan für ausreichend befunden hatte, übergab als Zwölfter. Nach Botwinow rissen Hoffmann und Schlussläufer Jürgen Pinter auch keine Bäume mehr aus. "Platz sechs wäre das Optimum gewesen, aber da waren wir weit weg", erkannte Sportdirekor Gandler sehr richtig.

Botwinow war der Rückstand unerklärlich, "denn ich habe ich mich gut gefühlt." Von der Verkühlung im Vorfeld sei nichts mehr zu spüren gewesen. Der klassisch zu laufende 50er am Sonntag ist sein letztes WM-Rennen überhaupt, "es wäre schön, wenn ich da noch einmal unter die Top Ten kommen könnte". Wehmut wird nicht aufkommen. "Ich denke weniger über meinen Abschied nach, als es andere tun. Die letzte Staffel, der letzte 50er, das ist mir gar nicht so bewusst."

Der vierte Mann

Völlig präsent ist natürlich noch das Gold in der Ramsau. "Die WM war schließlich mein erstes Großereignis als Österreicher." Mayer war der Mann, der organisierte, Botwinow ward für die Staffel organisiert, die Chance dazu bot ein Zerwürfnis mit dem russischen Verband, für den Botwinow schon 1993 in Falun WM-Staffelbronze mit errungen hatte. 1997 erhielt er die österreichische Staatsbürgerschaft, die von den Russen erzwungene Stehzeit vertrieb sich Botwinow auch mit dem Sieg beim Wasa-Lauf. Neben Staffelgold ging sich für ihn in der Ramsau noch Bronze über 50 km aus, in Salt Lake City errang er hinter Hoffmann Silber über 30 km. Und Turin 2006 endete mit Bronze im 50er und Tränen. "Das war sicher der emotionalste Moment." Botwinow, in der Ramsau wohnhaft, verheiratet und Vater zweier Söhne, will nur noch zum Spaß Langläufer sein, "bei Volksläufen einfach in der Gruppe mitlaufen". Über sein berufliches Fortkommen sorgt er sich nicht: "Ich warte auf Angebote, vielleicht von einer Skifirma, vielleicht vom ÖSV"

. Beim Skiverband könnte seine Erfahrung nutzbringend eingesetzt werden. Der auslaufende Vertrag von Cheftrainer Franz Gattermann dürfte nicht verlängert werden. Die Athleten murren, die WM-Vorstellungen stärken seine Position nicht – trotz des kuriosen vierten Platzes von Johannes Eder über 15 km. Der Bayer Bernd Raupach, einst Förderer von Tobias Angerer, könnte übernehmen. Raupach stünde vor einer schweren Aufgabe, obwohl Hoffmann bis 2010 weiterlaufen will. Eine Mannschaft ist der Oberösterreicher allein nämlich nicht. (DER STANDARD PRINTAUSGABE 3.3. 2007)

Share if you care.