Patient in kritischem Zustand

31. März 2007, 20:09
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Freitag Konkurs- und Zwangsausgleichsantrag bei Gericht eingereicht - Spekulation auf Lizenzerteilung in zweiter Instanz

Graz – "Die Zahlen sind für mich nicht überraschend", sagt der Wirtschaftsanwalt Alexander Isola, der angesichts des drohenden Konkurses, der Anfang der Woche bekannt wurde, für den Überlebenskampf des Fußballklubs GAK engagiert wurde. Wie angekündigt wurden am Freitag beim Grazer Handelsgericht Konkurs- und Zwangsausgleichsantrag eingereicht. Nun liegt der Schuldenberg des 1902 gegründeten Vereins in konkreten Zahlen auf dem Tisch: 15,2 Millionen inklusive aller Passiva aus diversen Verbindlichkeiten.

Wie erwartet kam also zu rund drei Millionen Schulden beim Finanzamt einiges dazu. Doch wie schon beim Zwangsausgleich des SK Sturm (an_erkannte Verbindlichkeiten 11,54 Mio. Euro) kann man das Schuldenglas halb leer oder halb voll sehen. Isola schlüsselt dem Standard den Betrag wie folgt auf: Ganze 4,8 Millionen sind Bankschulden, die allerdings "voll besichert sind durch werthaltige Haftungen durch Dritte". Auch die Landeshaftung von mehr als einer Million Euro fällt in diese Summe. Weitere 2,6 Millionen kommen von Darlehensgebern aus dem Vorstandspräsidium. "Die werden jetzt natürlich hintanstehen und das Geld nicht zurückfordern", ist sich Isola sicher.

66 Gläubiger betroffen

Auch bei jener zuletzt wiederaufgelebten Schuld beim Finanzamt von rund 3,4 Millionen, die bereits erlassen gewesen war, aber durch säumige Abgaben der Monate Dezember und Jänner wieder schlagend wurde – der Standard berichtete –, hoffe man nun abermals auf eine Erlassung von zumindest 2,5 Millionen. Damit bleiben akute Forderungen von Gläubigern von rund 5,3 Millionen Euro. "Das heißt, mit 1,2 Millionen ist der GAK zu entschulden", so Isola. Betroffen sind insgesamt 66 Gläubiger.

Schwierig sei es aber, die Fortführungskaution aufzustellen, die man – nach dem Modell SK Sturm – durch die Gründung einer Marketing AG hereinbringen will. Der Wirtschaftsanwalt sieht hier den eigentlichen "Knackpunkt", der ein Überleben des Vereins und seiner insgesamt 66 Arbeitsplätze (inklusive Teilzeitjobs) entscheiden wird: "Gelingt es uns, diese Barkaution von 650.000 Euro aufzustellen, ist der Patient zumindest stabilisiert. Wenn das nicht gelingt, bin ich pessimistisch." Isola rechnet damit, dass der Masseverwalter, Norbert Scherbaum, dafür etwa zehn Tage einräumt.

Dass der Lizenzantrag für den Verbleib in der Bundesliga, den der Klub am Donnerstag, zwei Wochen vor Ende der Einreichfrist, abgeben hat, in erster Instanz positiv beurteilt wird, gilt indes als unrealistisch. Doch bis 10. Mai kann man gegen verwehrte Lizenzen Einspruch erheben. Bis dahin will man den Zwangsausgleich längst durchhaben. (Colette M. Schmidt - DER STANDARD PRINTAUSGABE 3.3. 2007)

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