Männlicher Tiefgang

13. März 2007, 07:00
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Fleisch kommt immer gut - Vorausgesetzt es ist weiblich konnotiert - Eine doppelte Zitrone für zwei verfaulte Fleischfälle

Fleisch hat immer Saison. Und wenn die Vermarktung tierischer Produkte in Zeiten von Massentierhaltung, Gentechnologie, BSE und dem Trend zu bewussterer und einem Mehr an vegetarischer Ernährung möglicherweise schwieriger geworden ist, dann mus eben nachgeholfen werden. Was liegt dann näher als auf ein altbewährtes Rezept zurückzugreifen?! Die Assoziation von frischem Fleisch und nacktem Frauenleib scheint in den männlichen Gehirnen (oder doch weiter unten?) so tief verankert zu sein wie der Speichelfluss des Pawlowschen Hundes beim Glockenton.

Diese Gleichung besteht im Prinzip bereits seit sich die Menschheit vom Sammlerinnentum zu Ackerbau und Viehzucht gewandelt hat, also mit der gewaltvollen Etablierung der patriarchalen Herrschaft. Und obwohl der Beginn der strukturellen Tötung von Tieren und jener der systemimmanenten Unterdrückung und Ermordung von Frauen etwa 5000 Jahre zurück liegt, hat sich trotz weltweiter Frauenbewegung und eines - wie frau meinen sollte - daraus folgenden Entwicklungsprozesses an den androzentrischen Konnotationen so gut wie nichts geändert.

Die Werbung mit nackten Frauenleibern waltet allerorts und sei sie noch so "tief". Männlicher Tiefgang mittels Intellekt lässt sich dabei nur selten erspähen.

Hunger mit "Frischfleisch" stillen

Die Fleischerei Norbert Artner zeigt uns die "Frische" ihrer Produkte mittels LKW-Werbung: Tierisch kauert die nackte Frau auf allen Vieren. Pornografische Assoziationen? Sexistische Bildsprache? Geh, wer wird denn so kleinlich sein?

Der zweite "Frischfleisch"-Fall betrifft ein "Studentengutscheinheft", das sich sprachlich nur an Männer richtet. Hier heißt es: "Das neue Studiensemester beginnt und wir haben uns wieder bemüht, Euren Hunger nach mehr ... u.a. einem feinem Studentenleben zu stillen ... Es freut uns, dass wir dieses Mal ein paar absolute GRATIS Schnäppchen für Euch haben. Also schaut ganz genau, damit Ihr nicht das Beste versäumt...".

Weibliches Fleisch in degradierenden und absolut Sinn entleerten Darstellungsweisen hat also immer noch Saison. Immer und immer wieder. Wir finden das einfach unzumutbar "tief" und kontern aufgrund des vermissten intellektuellen Tiefgangs mit übersäuerten Zitronen. (dabu)

13.03.2007
  • LKW-Werbung der Fleischerei Artner
    foto: privat
    LKW-Werbung der Fleischerei Artner
  • Gutscheinheft, hg. von www.gutschein.at
    foto: antonia indrak
    Gutscheinheft, hg. von www.gutschein.at
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