Der Profi-Personalmanager

6. März 2007, 11:40
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Der Personalmanager als harmloser, zurückhaltender 'Business Partner' oder professionelle Personalabteilungen - Was bringt die Zukunft?

Der Organisationssoziologe Stefan Kühl erntete Applaus für seine Forderung, Personalmanager sollten am besten nicht auffallen und sich innerhalb des Unternehmens zurückhalten. Ihre Aufgabe bestehe darin, im Verborgenen zu wirken und sich auf keinen Fall anzumaßen, Managementfunktionen wahrzunehmen oder gar Controllingstandards zu setzen. Der Personalchef Thomas Sattelberger haut in die gleiche Kerbe, wenn er für die HR-Abteilung fordert, "lieber Dienstleister als Business Partner" zu sein.

Harmlos

Dieser hier geforderte Typ eines Personalverwalters macht Abrechnungen, denkt vielleicht über Personalentwicklung nach, beschafft im Zweifelsfall Mitarbeiter, spricht Kündigungen aus, hält sich ansonsten aber raus. Er möchte auf seiner Visitenkarte "Business Partner" stehen sehen, aber keine Entscheidungen treffen. Die Folge dieser defensiv-harmlosen Personalverwaltung: ein Job, der keine besonderen Qualifikationen verlangt, vielleicht ein etwas devotes Wesen, ansonsten aber kein Job, der nach "Personalentwicklung in eigener Sache" schreit. Was aber sind die Konsequenzen der heutigen Idee?

Gefahr der Auslagerung

Zum einen kann diese Art der Personalverwaltung extrem leicht ausgelagert werden. Diese Personalverwalter sind keine originären Kernkompetenzträger, damit durch externe Dienstleister substituierbar. Eine solche Auslagerung ist ein Prozess, der noch nicht in Österreich, in anderen Ländern aber bereits extreme Formen angenommen hat.

Humankapital aufgeben?

Zum anderen aber – und diese Konsequenz wiegt schwerer – geben wir den Gedanken auf, durch Personalarbeit Wettbewerbsvorteile zu erlangen. Gerade Länder wie Österreich leben von ihrem Humankapital, das den Profi-Personalmanager braucht. Dieser trägt zur Wertschöpfung bei, trifft strategische Entscheidungen und ist im wahrsten Sinne des Wortes "ein Fachmann", der sich mit Experten aus anderen Unternehmen vernetzt, sich der wissenschaftlichen Forschung öffnet, nicht länger Unternehmensberatern argumentationslos ausgeliefert ist und der tatsächlich zum Business Partner wird.

Was aber erwartet uns in der Zukunft? Vermutlich beides! Auf der einen Seite wird es Unternehmen geben, bei denen die Personalarbeit auf ein Mindestmaß geschrumpft ist. Auf der anderen Seite wird es Unternehmen geben, die qualitativ hochwertige Personalarbeit mit einer professionellen Personalabteilung anstreben. Es spricht einiges für die höhere Überlebenswahrscheinlichkeit des zweiten Szenarios. (Christian Scholz*, Der Standard, Printausgabe, 3./4.03.2007)

Zur Person: *Christian Scholz ist Professor für Personalmanagement an den Unis Wien und Saarbrücken sowie fachlicher Leiter der PoP – Das Jahresforum für die Personalwirtschaft.
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    Für die Personalarbeit ist viel Feingefühl erforderlich

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