Fallende Märkte auch in Europa

6. März 2007, 19:50
posten

Ein Kommentar von Jürgen Ulamec aus dem Equity Weekly der Erste Bank

Nach einem eigentlich erfreulichen Wochenstart kam am Dienstag der abgelaufenen Handelswoche der überraschende Einbruch an den europäischen Börsen. Dieser hatte sich an diesem Tag schon zuvor in Asien abgezeichnet, auch wenn die Auswirkungen auf die anderen Märkte zu diesem Zeitpunkt noch nicht absehbar waren.

Gewinner gab es auf Wochensicht fast keine. Dafür jedoch aber viele Unternehmen, bei denen der Aktienkurs geradezu einbrach. Von den DJ-EuroStoxx-Werten erwischte es das spanische Immobilienunternehmen Metrovacesa am schlimmsten. Die Investoren legten den Bieterkampf bei und einigten sich darauf den Konzern Metrovacesa in ein spanisches und ein französisches Unternehmen zu teilen. Da dieser Machtkampf den Kurs zuvor angetrieben hatte, rutschte der Aktienkurs jetzt um ca. 16% ab. Kein Ende der Hürden bei der geplanten Übernahme des spanischen Versorgers Endesa gibt es für E.ON. Nachdem den Deutschen zuvor die spanische Regierung, die Wettbewerbsbehörden und das Infrastrukturunternehmen Acciona Probleme bereiteten, indem es Anteile von Endesa gekauft hatte, griff nun die italienische Enel ebenfalls in das Geschehen ein. Enel soll sich bis jetzt bereits um die 15% der Aktien von Endesa gesichert haben und will seinen Anteil auf bis zu 25% aufstocken und somit eine Komplettübernahme durch E.ON verhindern. Der Aktienkurs von E.ON verbilligte sich darauf um fast 10%. Auch EADS kommt nicht aus den negativen Schlagzeilen. Nach Insidergeschäften, Lieferproblemen, geplanten Arbeitsplatzabbau und möglichen Werkschließungen wurde nun auch angekündigt die Produktion der Frachtversion des Großraumjumbos A380 aufgrund mangelnder Nachfrage einzustellen. Der Kursverlust hielt sich mit ca. 7% aber noch in Grenzen.

Aufgrund altbekannter Probleme kamen auch die Valoren der Deutschen Telekom bei der Bekanntgabe der Quartalszahlen unter Druck. Im Festnetzbereich verliert man weiter Kunden. In Fragen wie Restrukturierung und Arbeitsplatzabbau kommt man kaum voran, und gewinnbringende Beteiligungen in Wachstumsmärkten sind weiterhin Fehlanzeige.

Die beste Performance unter den DJ-EuroStoxx-Unternehmen erzielte mit über 3% auf Wochensicht der spanische Betreiber von Stromsystemen und -Netzwerken Red Electrica. Die Gründe dafür waren der im Jahr 2006 um 23% gestiegene Nettogewinn und die darauf erfolgte Kurszielerhöhung einiger Bankhäuser. Der einzige DAX30- Wert, der in der abgelaufenen Handelswoche im Plus schloss, war die zuvor abgestrafte SAP. Das Private-Equity-Unternehmen Silver Lake will einen größeren Anteil der SAP-Aktien erwerben. Da es derzeit aber so aussieht, als wollten die Hauptaktionäre keine Anteile verkaufen, wird Silver Lake wohl über die Börse kaufen müssen. Die Aktien stiegen um ca. 3%.

Aufgrund zahlreicher Konjunktur- und Unternehmensdaten ist in der nächsten Handelswoche so ziemlich jeder Kursverlauf vorstellbar - von weiteren Kursrutschen bis hin zum Rebound. Es wird ganz darauf ankommen, wie die Marktteilnehmer die jeweiligen Daten beurteilen wollen.

Share if you care.