USA: Größter Sell-Off seit 9/11

6. März 2007, 19:50
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Ein Kommentar von Ronald Stöferle aus dem Equity Weekly der Erste Bank

Die amerikanischen Aktienmärkte gehen mit herben Verlusten aus der Handelswoche. Nachdem am Montag noch milliardenschwere Übernahmen gemeldet wurden, brachen die Märkte am Dienstag ein. Ausgehend von einem Crash an der Börse Shanghai machten sich rund um den Globus Bedenken um die Verfassung der Finanzmärkte breit.

Der kräftige Rückgang beim Auftragseingang langlebiger Güter schockte die US-Märkte zusätzlich. Die Bestellungen sanken auf Monatssicht um 7,8 %, während Analysten lediglich ein Minus von 3 % prognostizierten. Auch Aussagen des ehemaligen Fed- Chefs Alan Greenspan, wonach die US-Wirtschaft in eine Rezession schlittern könnte, belasteten die Märkte. Der Dow Jones verlor am Dienstag zeitweise über 500 Punkte, alle 30 Werte gingen mit negativen Vorzeichen aus der Sitzung. Im S&P 500 schlossen am Dienstag lediglich zwei Titel im Plus, dies stellt den größten Sell-Off seit den Anschlägen vom 11. September dar.

Fed-Chef Ben Bernanke konnte ein wenig zur Stabilisierung der Märkte beitragen, nachdem er sich am Mittwoch vor dem Kongress positiv zu den Aktienmärkten äußerte. Für das laufende Jahr erwartet er ein moderates Wirtschaftswachstum, das sich gegen Ende des Jahres beschleunigen sollte. Auch der unerwartete Anstieg des ISM-Index von 49,3 Zählern auf nun 52,3 sorgte für bessere Stimmung. Das Verbrauchervertrauen kletterte unerwartet stark auf 112,5 Punkte, den höchsten Stand seit fünfeinhalb Jahren.

Im Fokus der Anleger stand zudem die milliardenschwere Übernahme des texanischen Versorgers TXU. Ein Konsortium geführt von Goldman Sachs und KKR bietet insgesamt USD 45 Mrd. Anteilsscheine von TXU legten mehr als 10 % zu, nachdem es gerüchteweise zu einem Bieterkampf einiger Private Equity Gesellschaften kommen könnte. Auch der größte Chemiekonzern der USA, Dow Chemical, könnte Ziel eines Leveraged Buy-Outs werden. Pressemeldungen zufolge planen Private Equity Gesellschaften sowie Investmentbanken ein Übernahmeangebot in Höhe von bis zu USD 54 Mrd. Die Aktie konnte zwischenzeitlich deutlich zulegen, musste die Gewinne aufgrund des schwachen Umfeldes jedoch wieder abgeben.

Der Mobilfunkkonzern Sprint Nextel steigerte den Gewinn deutlicher als erwartet auf 9 Cents/Aktie. Auch der Umsatz lag mit USD 10,44 Mrd. leicht über den Erwartungen. Der Pharmakonzern Merck & Co. hob seine Gewinnerwartungen an, man geht nun von einem EPS im Bereich zwischen USD 2,51 bis 2,59 aus. Die Einzelhändler Sears und Staples legten überraschend starke Zahlen, verloren jedoch aufgrund ihrer konservativen Ausblicke. Papiere von Hyperion Solutions kletterten um mehr als 20 %, nachdem Oracle bekannt gab, den Spezialisten für Business-Intelligence Software um insgesamt USD 3,3 Mrd. zu übernehmen.

Für die nächste Handelswoche gehen wir von weiterhin nervösen und volatilen Märkten aus. So ist die Schwankunsgbreite der Indizes, gemessen am Volatilitätsindex VIX, auf einen Wert von 15 hochgeschnellt. Dies stellt den höchsten Wert seit der Frühjahrskorrektur 2006 dar, historisch gesehen ist die Volatilität jedoch noch auf moderatem Niveau. Wir interpretieren die jüngsten Kursrückgänge in den USA in erster Linie als Korrektur der Finanzmärkte, nicht als eine sich anbahnende Wirtschaftskrise. Für die nächsten Wochen empfehlen wir jedoch eine defensive Positionierung des Aktienportefeuilles.

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