The Winner takes it all?

3. März 2007, 12:00
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Wettbewerbe für Architekten scheinen dem olympischen Gedanken zu weichen: Dabeisein ist alles - Von Heinz Lutter

Architekturwettbewerbe gleichen sportlichen Wettkämpfen. Viele treten an, nur einer kann gewinnen. Oftmals müssen sich die Teilnehmer mit dem Gedanken "Dabeisein ist alles" zufrieden geben, da außer dem positiven Nebeneffekt, nämlich der Prüfung der eigenen Konkurrenzfähigkeit, für sie nichts dabei herausspringt. In kaum einem Beruf tritt die Kollegenschaft dermaßen selbstverständlich gegeneinander an wie unter den Architekten. Man denke nur an Ärzte, die um die Wette operieren würden oder einen Kläger vor Gericht – vertreten von 20 Anwälten, und nur der Gewiefteste erhielte das Honorar?

Eine absurde Vorstellung. Nichtsdestoweniger ist der Architekturwettbwerb eine beliebte Methode von Auftraggebern, um den für sie und die Bauaufgabe passenden Architekten zu finden. Eine gesetzlich geregelte Wettbewerbsordnung besteht dabei jedoch nur bei Vergabeverfahren von öffentlichen, nicht aber von privaten Auftraggebern.

Abseits "sportlicher Aspekte" macht ein Architektenwettbewerb nur dann Sinn, wenn die Spielregeln und Ziele vorab festgelegt wurden. Für eine professionelle Wettbewerbsausschreibung bedarf es einer klaren Darlegung der Aufgabenstellung, der Bestimmung von Beurteilungskriterien und darüber hinaus einer kompetenten Fachjury. Ebenso sollte eine Absichtserklärung vorliegen, unter welchen Bedingungen der Gewinner mit der Planung beauftragt wird. Derart durchgeführt, kann ein Wettbewerb zielführender sein als eine Direktbeauftragung.

In der Praxis allerdings scheinen die guten Wettbewerbsgedanken – von Qualitätskontrolle bis Innovationspotenzial – verloren zu gehen. Gerne werden Architekten mit so genannten Ideenwettbewerben geködert. Am Ende winkt das Versprechen, den Auftrag für die weitere Planung zu erteilen. Dabei fehlen aber meist sowohl konkrete Vorgaben als auch Verbindlichkeiten, von einer Fachjury gar nicht zu sprechen. Fairness und Seriosität weichen Zufall und Willkür. Und dennoch mangelt es nicht an Teilnehmern.

Bleibt also die Verantwortung bei den Architekten. Sie müssen sich nun für oder wider das System entscheiden. Oder aber es werden endlich Voraussetzungen geschaffen, Theorie und Praxis auf dem Spielfeld der Wettbewerbe einander anzunähern – damit der Sieger den Pokal auch tatsächlich nach Hause trage. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3./4.3.2007)

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