Schlechtes Wetter am Wochenende ein statistischer Zufall?

8. März 2007, 19:07
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15 Jahre Messdaten weisen Samstag mit schlechtestem Wetter aus - deutsche Forscher gehen vom Menschen als Verursacher aus

Wien - Schon immer hatte so mancher Arbeitende den Eindruck, dass es gerade am langersehnten Wochenende schlechtes Wetter gibt, während von Montag bis Freitag die Sonne scheint. Eine Studie des Forschungszentrums Karlsruhe unterstreicht dies - und sieht die Schuld beim Menschen. Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Wien sieht das als "rein statistischen Zufall".

Für ihre Untersuchung haben die Meteorologen Dominique Bäumer und Bernhard Vogel 6,3 Millionen Messwerte von zwölf deutschen Wetterstationen aus den Jahren 1991 bis 2005 analysiert. Das Ergebnis: Der Wochentag mit dem schlechtesten Wetter ist der Samstag, der nach dem berechneten Mittelwert die tiefsten Temperaturen und den geringsten Sonnenschein beschert. Die meisten wärmenden Strahlen gibt es am Wochenanfang: Am Dienstag ist die Sonne durchschnittlich 15 Minuten länger zu sehen als am Samstag. Am Mittwoch ist es wiederum mit 0,2 Grad über dem Minimum des Samstagsmittels am wärmsten. Montags regnet es im Gegensatz zum sechsten Tag der Woche am wenigsten.

Die Daten stammen aus sehr unterschiedlich gelegenen Stationen, zum Beispiel bei dicht besiedelten Städten oder in Bergregionen. Es handle sich also nicht nur um lokale Auswirkungen durch direkte Emissionen, so die Forscher, deren Beitrag in der Fachzeitschrift "Geophysical Research Letters" veröffentlicht wurde.

Muster

Nachgewiesen wurde durch die Untersuchung ein siebentägiger Rhythmus, der an einzelne Wochentage geknüpft ist. In der Natur existiere kein Prozess, der einen derartigen Zyklus bestimmen könnte, so die Forscher. Verursacht werde der Wetterrhythmus daher vom Menschen selbst, zum Beispiel durch Industrie und Verkehr. Alles deute darauf hin, dass der Zyklus durch indirekte Effekte von Aerosol, zum Beispiel Ruß- oder Sulfatpartikel, verursacht werde. Die Untersuchung weise erstmals nach, dass es nicht nur langfristige Klimafolgen, sondern auch einen kurzfristigen Einfluss durch den Menschen gebe.

Reaktion

Auf wenig Gegenliebe stieß die Studie bei den Meteorologen der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). Bei den Ergebnissen handle es sich um einen "rein statistischen Zufall", erklärte der ZAMG-Klimatologe Ernest Rudel. Mit einer Statistik könne man alles beweisen. Dementsprechend gebe es auch Untersuchungen, nach denen sich das Wetter nach Mondphasen richte.

Auch die Begründung, Emissionen würden den Rhythmus verursachen, ließ Rudel nicht gelten: Für eine ernste Untersuchung müssten einzelne Tage ausgewählt werden, an denen es keinen Einfluss durch Luftströmungen gegeben habe. Diese stabile Lage müsste für eine Wochenuntersuchung dann mindestens sieben Tage andauern. Eine Untersuchungsdauer von 15 Jahren sei in diesem Zusammenhang für Klimatologie und Meteorologie nicht ausreichend. Eine Studie müsste sich rein theoretisch mit Daten über 100 Jahre beschäftigen.

Joachim Hoffmann vom Forschungszentrum Karlsruhe wies die Vorwürfe zurück: Die Untersuchung basiere auf sehr vielen Messwerten und mache daher einen deutlichen Zusammenhang zwischen Wetter und bestimmten Wochentagen sichtbar. Ein Zeitraum von 15 Jahren sei durchaus ausreichend. (APA/red)

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