Zeller als Sechster ÖLV-Bester

19. März 2007, 13:25
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Niederösterreicher mit Bestleistung im 400 m-Finale - Weidlinger landete auf Rang sieben - Schlechtestes Abschneiden des ÖLV seit 1976

Birmingham - Österreich hat erstmals seit 1996 keine Medaille bei Hallen-Europameisterschaften in der Leichtathletik gewonnen und das schlechteste Ergebnis seit 1976 in München verzeichnet. Der einzige Lichtblick aus ÖLV-Sicht in Birmingham war Clemens Zeller. Der 22-jährige Kremser war bei seinem EM-Debüt als Sechster über 400 m der beste Österreicher, da Medaillenhoffnung Günther Weidlinger über 3.000 m in 8:04,19 Minuten nicht über Platz sieben hinauskam.

"Ein Verband wird immer an seinen Medaillen gemessen", hatte ÖLV-Präsident Johann Gloggnitzer im Vorfeld der Titelkämpfe in Birmingham betont und auf Weidlinger gehofft. Doch der kleine Innviertler hatte am Samstagnachmittag im Finale über die längste Hallen-Laufdistanz keine Chance auf das angepeilte Edelmetall. Bis zur Schlussrunde hatte er zwar tapfer an der Spitze mitgefightet, aber als dann eingangs der Schlussrunde die Post abging, wurde er regelrecht durchgereicht. Gold ging in 8:02,44 an den italienischen Außenseiter Cosimo Caliandro.

Zeller kam über die längste Sprintdistanz zwar nicht über den sechsten und letzten Platz im Finale hinaus, doch in 46,64 Sekunden lief er erneut persönliche Bestzeit und blieb nur 1/100 über seiner schnellsten Freiluftmarke (46,63). "Ich war Teil eines der schnellsten 400-m-Hallen-Rennen der Geschichte", lauteten die ersten Worte des Niederösterreichers.

Und damit hatte Zeller vollkommen recht. Top-Favorit und Titelverteidiger David Gillick siegte in irischer Rekord- und europäischer Jahresbestzeit von 45,52 Sekunden vor dem Deutschen Bastian Swillims (45,62) und dem Briten Robert Tobin (46,15), der als einziger der sechs Finalisten nicht persönliche Bestzeit markierte. Und vor zwei Jahren in Madrid hätten die 46,64 von Zeller für Silber gereicht.

"Ich bin deshalb mehr als zufrieden. Die letzten zwei Wochen waren die schönsten meines Lebens. Zuerst Staatsmeister und dann hier im Finale, das ist einfach sensationell, ein wunderschönes Gefühl", erklärte Zeller. "Doch ich brauche noch Zeit, bis ich das alles realisiere." Trotzdem dachte der 1,85 m große Modellathlet bereits an die Zukunft: "In dieser Form sollte für mich auch das WM-Limit für Osaka (45,95) drin sein."

Hätte ihm jemand am Donnerstag gesagt, dass er in Birmingham für das beste ÖLV-Ergebnis sorgen würde, hätte er es nicht geglaubt. "Selbst wenn man mir das jetzt sagt, kann ich es nicht glauben", bekräftigte der sichtlich total glückliche Mathematik- und Sport-Student (Pädak).

Neben Zeller war überraschenderweise auch Weidlinger mit seinem Abschneiden zufrieden. "Es war ein gutes Rennen von mir, deshalb bin ich trotz der verpassten Medaille mit diesem siebenten Platz zufrieden", meinte der 28-Jährige, der damit weiterhin auf eine Medaille in der Allgemeinen Klasse warten muss. "Bei 300 Meter habe ich attackiert, doch auf den letzten 50 Metern war ich dann total blau."

Zuvor war Sprinterin Bettina Müller, die am Vormittag im Vorlauf in 7,27 Sekunden Saisonbestzeit gelaufen war, im Semifinale über 60 m ausgeschieden. In 7,36 landete sie auf dem 15. Endrang. "Ich habe das Rennen schon zu Beginn verloren. Auf den letzten 20 Metern habe ich dann noch einmal Druck gemacht, doch das war eben bei dem Klassefeld zu spät", erläuterte die aus Berlin stammende 33-Jährige.

Für die Finalteilnahme am Sonntag wären 7,24 Sekunden nötig gewesen, Müllers Bestzeit lautet 7,25. Da somit am Schlusstag kein Österreicher mehr im Einsatz war, stand bereits am Samstagabend fest, dass für den ÖLV in Birmingham eine große Serie zu Ende ging. Denn seit dem 1.500-m-Titel von Theresia Kiesl 1998 in Valencia hatte Österreich in der olympischen Kernsport unter dem Hallendach stets EM-Medaillen geholt, zuletzt in Wien 2002 und Madrid 2005 sogar jeweils drei.

Historisch betrachtet war es das schlechteste Abschneiden seit 1976 in München, wo es keine einzige rot-weiß-rote Finalteilnahme gegeben hatte. 1977 in San Sebastian waren keine ÖLV-Aktiven am Start gewesen. Danach hatte es zumindest immer fünfte Plätze für Österreich gegeben. (APA)

ERGEBNISSE mit ÖsterreicherInnen am Sonntag

  • 400 m, Männer

  • Finale: 1. David Gillick (IRL) 45,52 Sek. - 2. Bastian Swillims (GER) 45,62 - 3. Robert Tobin (GBR) 46,15 - 4. Johan Wissman (SWE) 46,17 - 5. Andrea Barberi (ITA) 46,47 - 6. Clemens Zeller (AUT) 46,64

  • 3.000 m, Männer

  • Finale: 1. Cosimo Caliandro (ITA) 8:02,44 Min. - 2. Bouabdellah Tahri (FRA) 8:02,85 - 3. Jesus Espana (ESP) 8:02,91 - 4. Halil Akkas (TUR) 8:03,14 - 5. Mo Farah (GBR) 8:03,50 - 6. Alistair Cragg (IRL) 8:03,70 - 7. Günther Weidlinger (AUT) 8:04,19

  • 60 m, Frauen:

  • 1. Semifinale (Top 4 im Finale): 1. Jeanette Kwakye (GBR) 7,17 Sek. - 2. Jewgenija Poljakowa (RUS) 7,22 - 3. Daria Onysko (POL) 7,24 - 4. Teschdan Naimowa (BUL) 7,24. Weiter: 7. Bettina Müller-Weissina (AUT) 7,36
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