Kämpfen Frauen - scheint die Sonne!

8. März 2007, 21:01

Aufruf zur alljährlichen Demonstration am Internationalen FrauenLesbenKampftag 2007 mit berauschenden Aussichten

In einem überwältigenden Akt der direkten Demokratie zogen heute 200.000 Frauen sternförmig durch Wien in die Innenstadt. Diesen imposanten Zügen wütender und entschiedener Frauen schlossen sich immer neue Gruppen an. Das öffentliche Leben brach zusammen und der Verkehr versank im Chaos. Politik und Exekutive war verschreckt, aber machtlos.

Die Demonstration knüpfte nicht zufällig an die historischen Wurzeln des Frauenkampftages des ausgehenden 19. Jahrhunderts an: Nach über 100 Jahren der Kämpfe der ArbeiterInnenbewegung und zweier Frauenbewegungen im 20. Jahrhundert katapultiert der patriarchale Kapitalismus Frauen rasend schnell in überwunden gewähnte Lebensrealitäten.

Der Zorn der Frauen drückte sich auf Transparenten, in Sprechchören und Liedern aus. Er richtete sich gegen den wachsenden gesellschaftlichen Ausschluss und die politische Entmündigung von FrauenLesben und gegen die Verarmungs- und Ausbeutungsstrategien der Herrschenden. Die laufend fortgesetzten kapitalistisch/patriarchal angeführten Regierungspolitiken dies- und jenseits der österreichischen Grenzen sind unerträglich.

Die demonstrierenden Frauen überwältigten kraft ihrer Übermacht die Securities der Regierungsstellen und überstellten die zuständigen Beamten, sowie die gesamte Regierungsriege in Schubhaft. Ein Insassenwechsel fand statt. Der langjährigen Forderung nach "Bleiberecht für alle" und der Parole "Abschiebung ist Folter, Abschiebung ist Mord" wurde durch das Öffnen der Schubhaft-Zellentüren entsprochen. Tausende Menschen, ohne Verfahren und Verbrechen in Haft, waren plötzlich frei. Mit den menschenverachtenden Umständen der "Flüchtlingsbetreuung" wurde Schluss gemacht.

Der Zorn der FrauenLesben richtete sich gleichzeitig auch gegen die zentrale Datensammel- und Koordinationsstelle EDVG (Elektronische Datenverarbeitung GmbH & Co KG, zu deren Kunden neben dem AMS der Gewerkschaftsbund, die AK, Siemens, etc. gehören). Sie wurde gestürmt. Dabei wurden Millionen personenbezogener Datensätze Erwerbsloser vernichtet. Die moderne Sklavinnenhalterzentrale AMS stand plötzlich ohne Selektionsdaten da.

Von weiteren Daten-Devastierungen waren vor allem das Arbeits- und Wirtschaftsministerium, das Sozialministerium und das Innenministerium (Daten von Migrantinnen und Flüchtlingen sowie von politisch aktiven "unbequemen" Personen) betroffen. Die immer mächtiger werdende Demonstration zog noch mehr Frauen an: Bankangestellte, Lehrerinnen, Sexarbeiterinnen, Studentinnen, Verkäuferinnen, Pflegerinnen, Putzfrauen, U-Bahnfahrerinnen, Hausfrauen schlossen sich dem Aufmarsch an. Es war berauschend!

Im Bundeskanzleramt eingelangt, stellten sich einige Frauen den Vertreter/innen der Presse, die eigentlich auf Kanzler und Vizekanzler gewartet hatten. Gleichzeitig bediente eine Gruppe von Frauen bereits die Regler des staatlichen Hörfunks und TV, und so fand eine Liveübertragung aus dem Bundeskanzleramt statt:

Das erste Manifest der FrauenLesben war landesweit zu hören und zu sehen!

"Wir gründen hiermit eine Gesellschaft, in der Frauen frei sind! Ab sofort ist keine einzige Frau mehr dazu verdammt, auf einen 'Ernährer', Vater, Familie, usw. angewiesen zu sein, um existieren zu können. Dieses patriarchale Modell funktioniert seit über 2000 Jahren nur für Männer. Sämtliche Vorrechte von und für Männer, im Alltag und im Staat, sind abgeschafft! Wir durchbrechen den patriarchalen Teufelskreis aus der Verbindung zwischen männlichen Gewalttätern und weiblicher Komplizinnenschaft.

Unsere Solidarität und unser Respekt gilt den kämpfenden Frauen im Trikont (Asien, Afrika und Lateinamerika) und in den Ländern, die zu Armutshinterhöfen der EU gemacht werden, die brutalst durch Kapitalismus und Neoliberalismus ausgebeutet werden.

Unser aller Kampf gilt den weißen, männlichen Eliten, die weltweit 90 Prozent des Einkommens und 99 Prozent des Vermögens kontrollieren. Ein Gutteil ihres Vermögens resultiert aus Kriegstreiberei, Waffenschieberei, Drogenhandel und vor allem dem Handel mit Frauen. Frauen werden in einer sexistischen Gesellschaft nicht als eigenständige, denkende, handelnde Menschen wahrgenommen, sondern mit sexistischen Vorurteilen und Normen, wie Frau zu sein hat, beurteilt. Wir pfeifen auf den sexistischen Blick der Männer, der Frauen als sexuelle Objekte betrachtet, oder unsere Sichtbarkeit als 'unmoralisch' oder 'verführerisch' ansieht. Wir befreien uns von der Gefangennahme unserer Hirne durch die Gehirnwäsche der Medien mittels millionenfach wiederholter Bilder, die Frauen als ewig aufreizende Opfer und Männer als ewig triebgestaute Täter darstellen. Der Ausbeutung und Besetzung unserer Phantasie und Vorstellungskraft in Bezug auf unser sinnliches und erotisches Erleben in Form von Softpornos im Fernsehen wird der Garaus gemacht.

Wir holen uns unseren selbstbestimmten Ausdruck von Sexualität und unsere Erlebensfähigkeit zurück. Wir widersetzen uns jeglichen religiösen und ideologischen Erklärungen für die Unterordnung der Frau unter den Mann. Wir widersprechen den 'wissenschaftlichen' Erklärungen von der 'Minderwertigkeit', 'Hilfsbedürftigkeit' oder 'Andersartigkeit' der Frauen. Wir stellen die herrschende Medizin in Frage, die Frauen als 'verrückt' und Frauenkörper als 'krank' beurteilt. Wir bekämpfen die sexistische Vermarktung von Frauen in der Werbung, in den Medien und in der Porno-Industrie. Wir bekämpfen hierarchische und gewalttätige Beziehungsstrukturen und alltägliche Männergewalt gegen Frauen und Mädchen.

Sexistische Gewalt gegen Frauen und Mädchen hat keine Hautfarbe, keine Klasse, keine Religion und keine Kultur. Sie hat nur ein Geschlecht – und sie kennt keine Grenzen. Männergewalt ist Krieg gegen Frauen. Die Kraft uns zu verteidigen ist eine politische Kraft. Sie entsteht aus dem Bewusstsein, dass die Frauen sich es erkämpfen müssen, in Freiheit und mit Selbstbestimmung in der Welt leben zu können. Frauen! Schließt euch zusammen mit Freundinnen, Arbeitskolleginnen, Gefährtinnen und Bekannten und zeigt euren Widerstand. Macht Gewalt, Diskriminierung und Unterdrückung von Frauen, miese Arbeitsbedingungen und strukturelle Gewalt öffentlich."

Zeitgleich besetzte eine Gruppe von Frauen das Parlament, erklärte die Regierung in einem formalen Akt für überflüssig und daher für abgesetzt und veranstaltete ein Tribunal mit Frauenfestcharakter. Die erste Rätinnenrepublik des 21. Jahrhunderts wurde ausgerufen!

Liebe Frauen, der 8. März dauerte länger als einen Tag! Vom Frauenstreik, der in einen politischen Generalstreik mündete, wurden der ÖGB und die Sozialpartner ausdrücklich ausgeschlossen. Denn sie hatten nur zu oft bewiesen, dass sie nicht für Frauenrechte kämpfen wollen.

Massenhaft wurden Fabriken und Produktionsstätten von den Frauen besetzt, kollektiviert und übernommen bzw. stillgelegt, wenn die Produkte nur dazu dienen, den herrschenden Konsumwahn immer weiter zu treiben oder wenn sie ökologisch katastrophale Auswirkungen haben. Zentralen von multinationalen Konzernen, die ihre Produktion wegen der günstigen Ausbeutungsbedingungen in die ehemaligen realsozialistischen Länder, nach Lateinamerika, Afrika oder Asien ausgelagert haben, wurden besetzt. Damit wurde ein praktischer Akt der internationalen Solidarität und Unterstützung von organisierten, aufständischen Frauengruppen oder einzelnen mutigen Frauen gesetzt. Gleichzeitig wurden die Frauen aufgefordert, diesen Dreck nicht mehr zu kaufen, der den Arbeiterinnen vielfach Gesundheit oder sogar das Leben kostet. Der Kirchenbesitz wurde eingezogen. Kirchen wurden zu Konzertsälen, Jugendzentren Altentreffpunkten etc. umfunktioniert.

Im erzbischöflichen Palais wurde die größte Abtreibungsklinik des Landes eingerichtet. Der Schwangerschaftsabbruch wurde radikal entkriminalisiert, denn er hat im Strafgesetz absolut nichts verloren. Die Kontrolle über Gebären oder Nichtgebären wurde den Frauen zurückgegeben. Bevölkerungsstrategen, Reproduktionstechniker, frauenfeindliche Ärzte,... wurden wegen ihrer Experimente an Frauen belangt.

FrauenLesben leben neue Lebens- und Beziehungszusammenhänge unter Frauen, nehmen Freuden, Enttäuschungen und Auseinandersetzungen untereinander wichtig. Sie machen die Arbeit, das Leben und die Geschichte von Frauen sichtbar, erkennen die Lesbenfeindlichkeit als Angriff auf Beziehungen unter Frauen und stehen offen zu Freundinnenschaften, lesbischen Beziehungen und Frauenbezügen. Sie geben sich nicht damit zufrieden, dass einzelne Frauen an der Macht teilhaben, sondern kämpfen für Gerechtigkeit und Freiheit für alle Frauen.

Sei stolz d'rauf, wenn deine Schwestern international kämpfen und schließ' dich ihnen an! (red)

Termine

FrauenLesbenDemo
Auftaktkundgebung ab 16 Uhr am Schwedenplatz mit Infoständen, Musik, Redebeiträgen, Performance, ab 17.30 Uhr Frauendemo durch die Stadt, Abschlusskundgebung vor der Uni am Schottentor

FrauenLesbenFest zum 8. März mit live Musik mit Mieze Medusa im FZ, in der FZ-Bar, Währingerstr. 59, Eingang Prechtlgasse, 1090 Wien
Eintritt freie Spende
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