Süße Elixiere aus trockenen Trauben

5. März 2007, 16:00
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Eiswein ist nur eine von drei möglichen Süßweinformen - Wegen des wirtschaftlichen Risikos werden Süßweine in den meisten Betrieben nur dann erzeugt, wenn es sich ergibt

War das eine Aufregung, als offensichtlich wurde, dass es heuer angesichts der unwinterlichen Temperaturen keinen Eiswein geben könnte. Dabei übersah man, dass Eiswein nur eine von drei möglichen Süßweinformen ist, quasi eine Nische in der Nische der Prädikatsweine, die aus möglichst gesunden, gefrorenen (Eiswein), aus getrockneten (Schilf oder Strohwein) oder aus mit Botrytis cinerea befallenen Trauben entstehen (Beeren- und Trockenbeerenauslesen). Süßweine werden in den meisten Betrieben nur dann erzeugt, wenn es sich ergibt, da eine Konzentration auf ein derart witterungsabhängiges Produkt ein großes wirtschaftliches Risiko wäre.

So hat Willi Bründlmayer im Jahrgang 2005 nach dreißig Jahren wieder einen Eiswein (Gelben Muskateller) gemacht, "weil es eben gepasst hat". Friedrich Rieder aus dem Weinviertel, der Süßweine "leidenschaftlich, aber nicht hauptsächlich" produziert und dessen Eisweine v. a. international höchst anerkannt sind, schließt aus den Studium der Temperaturtabellen seit 1979, dass Eiswein ein noch rareres Gut werden könnte. "Die für Eiswein nötigen Frosttage sind seltener und haben sich in den Jänner verschoben." (ls, DER STANDARD - Printausgabe, 2. März 2007)

  • Botrytis-Trauben: optisch wenig reizvoll, als Wein umso mehr.
    foto: kracher

    Botrytis-Trauben: optisch wenig reizvoll, als Wein umso mehr.

  • Wie Rosinen: Trauben für Stroh- oder Schilfwein.
    foto: corn

    Wie Rosinen: Trauben für Stroh- oder Schilfwein.

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    Eiswein braucht tagelang mindestens sieben Grad unter null.

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