"Keine Frage der Religion": Neue Wiener Studie zu Zwangsheirat

Redaktion, 20. Mai 2007 21:32
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    Foto: christian fischer

    Geschätzte 35 von Zwangsheirat betroffene Frauen werden jährlich in den sozialen Einrichtungen der Stadt Wien betreut.

Wien richtet Arbeitsgruppe ein - Phänomen lässt sich nur schwer in Zahlen fassen - Wiener ÖVP und Grüne für schnelleres Handeln

In Wien liegt nun erstmals eine Studie zum Thema Zwangsheirat vor. Genaue Zahlen über das Ausmaß des Phänomens ließen sich derzeit aber noch nicht gewinnen, unterstrich Frauenstadträtin Sandra Frauenberger am Donnerstagabend vor Journalisten. Nun soll eine eigene "Task Force" die Grundlage für das weitere Vorgehen schaffen. Davon abgesehen wurden bereits einige Maßnahmen im Sozialbereich initiiert.

Eine Schätzung sei, dass jährlich rund 35 von Zwangsheirat Betroffene in den sozialen Einrichtungen der Stadt betreut werden, so Projektleiterin Rossalina Latcheva vom Zentrum für soziale Innovation, das die Studie im Auftrag der Wiener Frauenabteilung durchgeführt hat. Bei dieser Zahl handelt es sich allerdings nur um diejenigen, die bereits versuchen, aus ihrer Situation auszubrechen.

"Eine Frage der Ehre"

Jedenfalls lasse sich die Thematik nicht auf eine bestimmte Gruppe oder Religion einschränken, unterstrich Frauenberger: "Es ist viel weniger eine Frage der Religion und viel mehr eine Frage der Ehre." Betroffen hätten etwa ebenso einen türkischen wie griechischen oder indischen Migrationshintergrund, seien Hindu, Christen oder Moslems. Dennoch bestehe die Gefahr, dass die Problematik mit dem Thema Integration vermischt werde. Tatsächlich handle es sich aber um eine Gewaltthema.

In Wien werde deshalb verstärkt auf Fortbildung von Lehrern in dieser Thematik gesetzt. Außerdem wurde mit der Schulung von Multiplikatoren begonnen, welche in die ethnischen Gruppen hinein wirken sollen. Und mittels der Sprachprogramme "Mama lernt Deutsch" könne man auch westliche Geschlechterbilder und Emanzipationsdenken vermitteln.

Handlungsleitfaden entwickeln

Überdies hat Frauenberger eine eigene "Task Force" des Magistrats initiiert, die Vorschläge liefern soll, wie man die Einzelfälle standardisiert erfassen kann, um konkrete Zahlen zu erhalten. Außerdem soll ein Handlungsleitfaden entwickelt und Vorschläge erarbeitet werden, wie man verstärkt die Eltern einbeziehen könne. Weiters soll hierbei auch geklärt werden, ob die bestehenden Betreuungsangebote ausreichend sind.

Zugleich erhob Frauenberger an den Bund die Forderung nach einem eigenen Aufenthaltstitel für Frauen und einem Zeugenschutzprogramm für Opfer. Nur so könne man in Härtefällen ein anonymes Untertauchen der Betroffenen ermöglichen.

ÖVP-Integrationssprecherin-Ekici: Es droht "Never-Ending-Story"

ÖVP und Grüne fordern als Konsequenz aus der Wiener Studie zur Zwangsheirat schnelleres Handeln von der zuständigen Stadträtin Sandra Frauenberger. Die von ihr angekündigte Einrichtung einer "Task Force", die weitere Schritte festlegen soll, stieß bei ÖVP-Integrationssprecherin Sirvan Ekici und ihrer Grün-Kollegin Alev Korun auf Kritik. Grundsätzlich begrüßte man jedoch die Erstellung der Studie.

"Nur scheint es nach wie vor an konkreten Ergebnissen zu mangeln", bedauerte Ekici. Nachdem die Studie nun schon lange Zeit in Anspruch genommen habe, werde eine "Task Force" eingerichtet. "Es droht damit die Gefahr, dass das Thema zu einer 'Never-Ending-Story' wird", warnte Ekici. Dabei sei evident, dass es in Wien an Maßnahmen gegen die Zwangsverheiratung mangle, wie etwa kultursensible Elternarbeit in Kooperation mit Kulturvereinen und Religionsgemeinschaften.

Grüne Integrationssprecherin Korun: Keine Zeit verlieren

Auch die Grünen beklagten, dass die von Frauenberger gezogenen Schlussfolgerungen aus der Studie nicht ausreichen würden. Bereits ihre Amtsvorgängerin Sonja Wehsely habe vor einem Jahr eine Evaluierung der bestehenden Betreuungsangebote versprochen. Dies sei nicht der Fall, stellte Integrationssprecherin Alev Korun fest. Es gelte nun, die Meinung von Experten ernst zu nehmen, empfahl die Grün-Mandatarin. Deshalb dürfe man keine Zeit mit undefinierbaren "Task Forces" verlieren.

SPÖ Wien: "Konkrete Ergebnisse, konkrete Maßnahmen"

"Offensichtlich hat die ÖVP-Integrationssprecherin die Studie zur Zwangsheirat nicht genau genug gelesen, denn diese Studie beinhaltet sehr konkrete Ergebnisse", sagte die Integrationssprecherin der SPÖ-Wien, Nurten Yilmaz, zu den Aussagen von Ekici. "Wesentlichste Ergebnisse sind: Zwangsheirat ist eine Form von häuslicher Gewalt. Es gibt keine Beschränkung auf bestimmte Länder oder Religionsgemeinschaften. Zwangsheirat wird mit der Diskussion um Zuwanderung und Integration vermischt, soziale Probleme, wie etwa die schlechten wirtschaftlichen Lebensumstände der Familien, der niedrige Bildungsstand, werden als wesentliche Ursache dabei ausgeblendet." Auf diesen Ergebnissen der Studie könne man konkret aufbauen: "Es hat sich gezeigt, dass Wien bereits genau die richtigen Maßnehmen setzt: Mit Deutschkurzen für Eltern kombiniert mit Orientierungshilfen unter Berücksichtigung des kulturellen Backgrounds, mit Berufsberatungen für Junge oder mit MediatorInnen mit interkulturellen Kompetenzen, die in der Gebietsbetreuung neu zum Einsatz kommen", so Yilmaz. "Vieles von dem, was die ÖVP-Integrationssprecherin fordert, gibt es also bereits." (APA/red)

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Auto Bus
05.05.2007 13:46
reine verharmlosung

nemo sander
14.05.2007 20:39
natürlich

denn es wird nicht das gesagt, was sie hören wollen. fakten haben da eben keine rolle zu spielen.

Elisabeth Jarok
08.04.2007 13:58
Reden um den heißen Brei

also Zwangsheiraten sind "keine Frage der Religion", lernen wir hier.

was sind sie dann dann? offenbar eine "Frage des Geschlechts" - denn nur Mädchen/Frauen werden zwangsverheiratet. Das wird hier in dem Artikel nicht mal diskutiert.

Und wo werden Frauen besonders unterdrückt?
in den Gesellschaften mit patriarchalischen Religionen, wo die Aufklärung/Gleichberechtigung noch nicht angekommen ist und Religion wichtiger ist als die Menschenrechte.

Also ist es doch eine Frage der Religion.




krenreiber
07.03.2007 18:41

"Mit Deutschkurzen für Eltern kombiniert mit Orientierungshilfen unter Berücksichtigung des kulturellen Backgrounds, mit Berufsberatungen für Junge oder mit MediatorInnen mit interkulturellen Kompetenzen, die in der Gebietsbetreuung neu zum Einsatz kommen." Der Gemeindebau in Ottakring ist ein Brandherd.
Der Faymann hat die Gebietsbetreuung liberalisiert, alles FreiberuflerInnen. Die können sich das nur mit EU-EQUAL-Förderungen leisten. MediatorInnen mit 20Std. Jobs, Grundberuf PsychologInnen, DSAs, unter der Armutsgrenze.

susi strolcher
06.03.2007 16:21
es geht um gewalt an abhängigen

und statt uns paragraphen des jugendfürsorgerechts und des fremdenrechts die abhängigkeiten verstärken, anzuschaun und vorschläge auszuarbeiten um diese abhängigkeiten abzubauen, fetzen wir uns seit tagen koran und bibelzitate um die ohren, ventilieren chauvinismen und romantizismen...und das soll zielführend sein?!?

Auto Bus
05.05.2007 14:00
wüsste gerne wieso die roten punkte...

es zwangsheirat: betrifft vor allem frauen/kinder in abhängigkeit - machtmissbrauch - durch zwangsheirat wird frau/kind zu sex gezwungen und durch heirat wird der tatbestand der vergewaltigung, nötigung (des sexuellen missbrauchs) verschleiert und völlig offen legalisiert - tollerierte sexuelle u psychische gewalt - betrifft vor allem frauen u mädchen in kulturen, in denen sie als wesen zweiter klasse ohne persönlichkeitsrechte gelten, mit gewaltbereiten patrialcharen strukturen - diese charakterisieren heutzutage vor allem gewaltbereite kulturen die religionen fröhnen, die diesen missbrauch "vorschreiben u. erlauben im gottes namen" u. andere kulturen verabscheuen - dem westen wird jede aktion gg diese misshandlungen als intolleranz vorgew

tiefewasser
 
22.03.2007 11:21
ich vermisse HIER IM STANDARD

seit tagen einen artikel zum aktuellen JUSTIZSKANDAL in deutschland.

eine europäischer richterin die nach "kulturellen" abgründen des herkunftslands der betroffenen urteilt ist auch in öst. denkbar!!

kiki84
14.03.2007 02:36
und warum soll man sich im forum darüber gedanken machen,

es wird ja dann doch nicht umgesetzt. klar, dass bei familienzuzug der ehepartnerIn arbeiten dürfen muss. wenn der partner bereits österreicher ist, gibt es da kein problem.

und sonst gibt's eh nur größtmöglichen sozialen schutz und rechtsbeistand für betroffene frauen, konsequenteste anwendung der österreichischen gesetze - also null-toleranz gegenüber häuslicher gewalt, freiheitsberaubung, nötigung, mit einer einschlägigen erweiterung auf zwangsverheiratung.
und trotzdem muss man bedenken, dass arrangierte hochzeiten ein kulturgut sind. daher ist information über rechte und gesetze - zielgruppengerecht, respektvoll und wertschätzend ! und in den jeweiligen muttersprachen wohl d wichtigste instrument. ausgrenzung hilft nicht!

krenreiber
07.03.2007 19:15

Ein Familienrat, der eine Cousinehe beschließt, die gehört verhaftet. Nach 30 Jahren Aufenthalt hätte das der älteste Hahn verstanden.

krenreiber
07.03.2007 18:17

Als Alternative zum Fremdengesetz, das nach Familienzusammenführung einen Zugang zum Arbeitsmarkt nach acht Jahren vorsieht, bietet sich das Forum Muslimischer Frauen an. Kontakt Konvertitin Andrea Saleh, islam. Seelsorgerin, Aktivistin muslim. ÖsterreicherInnen. Beraten auch in schariat. Belangen.

susi strolcher
07.03.2007 10:49
liebe bewerterInnen, herzlichen dank für ihre aufmerksamkeit

aber wo bleiben ihre konstruktiven vorschläge zur lösung des problems?

krenreiber
07.03.2007 20:14

Zwangsheirat in die Hirne, wird strafrechtlich verfolgt.

krenreiber
07.03.2007 17:07

Kennen Sie das Fremdenrecht, die Stichtagsregelungen, Zugang zum Arbeitsmarkt nach Familienzusammenführung? Es ist gut so.

Timagoras
 
05.03.2007 20:47
ich finde, es gibt zwei arten von "diskriminierern":

die herkömmlichen, die generell alle immigranten bzw. multikulti ablehnen (von denen ist hier allerdings kaum etwas zu hören oder zu lesen),
und die "positiven diskriminierer", die behaupten, es GÄBE gar keine zwangsehen.
und WENN es welche gäbe, dann auch nicht weniger als bei eingeborenen.
es GÄBE gar keine ehrenmorde.
und WENN es welche gäbe, dann seien sie eben mit eifersuchts- und affektmorden gleichzusetzen.
es GÄBE gar keinen kopftuchzwang.
und WENN es einen gäbe, dann sei das halt kulturell begründet und müsse respektiert werden (und weil unsere uromas ja auch kopftuch trugen).

die meisten poster hier (außer tiuri, laszlo etc.) sind aber von beiden extremen (dingsseidank) weit entfernt :o)

sylvia29
06.03.2007 09:43

wenn sie mich direkt angehen, fühl ich mich schon genötigt, mich dazu auch zu äußern - insbesondere, weil sie ja mir lustiger weise lüge vorwerfen.

zeigens mir bitte EIN posting, wo ich irgend etwas behauptet habe, was dem von ihnen behaupteten auch nur nahe kommt.

mir ist zwar nicht klar, wie man unabsichtlich aussagen so fehl interpretieren kann, aber bösartigkeit will ich ihnen - im gegensatz zu ihrem stil - ja nicht unterstellen. ihr motiv für so dubiose aussagen belibt mir allerdings unergründlich.

krenreiber
07.03.2007 17:08

Sie argumentieren nicht.

Timagoras
 
06.03.2007 23:31
"zeigens mir bitte EIN posting"

dann zeigen Sie mir bitte erst die "etlichen postiner", die "einhellig blöken: die bösen moslems"!

bis zum beweis dieser "einhelligkeit" bleibe ich bei meinem vorwurf!

scorpio rising
05.03.2007 22:52

sehr treffend auf den punkt gebracht

schwalbe
05.03.2007 22:47

Die zwei Typen mögen uns nicht, aber wie, die machen da keinen Unterschied.

Jan Sommer
05.03.2007 12:09
Nette Verniedlichung : Auch Christen zwangsverheiraten


ihre Töchter und begehen "Ehrenmorde" wenn sie nicht parieren ?

Wieviel Fälle gabs in den letzten 50 Jahren in ganz Europa ?

Die zwanghafte p.c. treibt wirklich die übelsten Blüten.
js

tiuri
 
05.03.2007 17:46
na in erfährt zb jede vierte frau in der familie gewalt.

wieviel davon sterben, darfst du dir selbst googlen. diesenorts heißt das halt "eifersuchtsdrama"...

krenreiber
05.03.2007 21:47

Wo in?

tiuri
 
06.03.2007 01:29
ö

krenreiber
07.03.2007 18:46

Womöglich sollten Sie das mit Ihrem Imam besprechen, warum Sie Gewalt an Schwachen als islamophob relativieren. Mir geht das nicht ins Hirn.

krenreiber
05.03.2007 20:47

Menschen erfahren Gewalt, bei uns nicht durch einen Familienrat.

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