Der beste Wein Spaniens

4. März 2007, 17:00
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Pingus? Vega Sicilia Único? Aurus? Clos Fontà? Falschanzeige. PX Santa Ana 1861 von Emilio Hidalgo - einer der beiden höchstbewerteten Weine Spaniens in Teil 34

Betrachtet man die aktuelle Ausgabe des Guía Peñín – der spanischen Weinbibel – bietet sich ein interessantes Bild: 18 Weine mit einer Bewertung von 95 Punkten aufwärts, alleine sechs davon aus der D.O. Jerez. Rioja mit einer sechsmal so großen Anbaufläche schafft es auch gerade mal auf sechs Weine, der am höchsten bewertete Wein aus dem Priorat schafft die 95-Punkte-Hürde nicht. Ribera del Duero bringt es auf drei. Eigentlich interessant, dass in Jerez noch niemand auf die Idee gekommen ist, dies entsprechend zu vermarkten.

Ja und die beiden Sieger mit 98 Punkten sind einerseits der PX 1830 von Alvear (D.O. Montilla-Moriles) – mehr dazu ein andermal – und eben der PX Santa Ana 1861 der Bodega Emilio Hidalgo aus Jerez.

Zugegebenermaßen sind solche Bewertungen immer subjektiv und es ließe sich vorzüglich darüber streiten, ob nicht doch der eine oder andere Wein besser oder zumindest gleich gut ist. Ein paar würden mir da schon einfallen, aber ob meine Auswahl dann weniger subjektiv wäre?

Emilio Hidalgo

Wer sind nun die Herren hinter dem besten Wein Spaniens?
Ende des 19. Jahrhunderts gegründet (das genaue Jahr weiß man nicht, 1874 scheint wahrscheinlich), befindet sich die Bodega nach wie vor im Familienbesitz und wird mittlerweile von der fünften Generation geleitet. Die mittelgroße Bodega (rund 5.000 Fässer) setzte von Anfang an auf das Motto „klein, aber fein“ und legte seinen Schwerpunkt auf den Export. So gehen mittlerweile rund 70 % der Produktion in Länder wie England, Holland, Deutschland, Österreich, Amerika, Japan, etc. Einige der Produkte werden überhaupt nur exportiert, so zum Beispiel auch der ausgezeichnete Fino.

Handarbeit

Focus der Bodega ist die kompromisslose Qualität in allen Produktionsstufen, die in sehr viel Handarbeit, bis hin zum eigenen Fassbinder, sichtbar wird und die sich für die meisten großen Bodegas so nicht rechnen würde. Die Weine der Bodega bestechen generell durch ihre ausgesprochene Individualität und durch ihr hervorragendes Preis/Leistunsgsverhältnis (auch wenn der Santa Ana 1861 mit über 200 Euro nicht gerade ein Schnäppchen ist, ist er doch jeden Euro wert). Eine der Besonderheiten der Bodega ist der anfängliche Ausbau aller Weine unter Flor – auch des Oloroso, was diesem eine unglaubliche Finesse verleiht. Darüber hinaus besitzt die in feinster Nachbarschaft (z.B. Lustau) gelegene Bodega zum Teil uralte Soleras, deren Inhalt zu verkosten eine wahre Freude ist.

Eine gute Gelegenheit sich von der Qualität der Weine zu überzeugen, bietet Wagners Wine Show am 7. Mai in der Gusswerk Eventfabrik in Salzburg, bei der die Bodega vertreten sein wird – und vielleicht gibt’s ja auch einen Santa Ana zum Probieren?

Die Weine im Detail

  • Panesa Fino
    Strahlendes strohgelb, viel Weißbrot, Flor und Apfel, breit und wuchtig, dabei fein strukturiert, knackige Säure, Gaumen anfangs apfeldominiert, cremig, etwas Bittermandel, feines Meersalz, langer Abgang mit viel Mandel
    8 Punkte

  • Marqués de Rodil – Especial Palo Cortado
    Helles Bernstein, leichte Flornoten, viel Weißbrot, etwas Zitrusfrüchte, am Gaumen rauchig, etwas Speck, kräftige Säure, Bitterorangen, salzig, wird dann saftig nussig, Leder, vielschichtige würzige Noten, rauchiger, mittlerer Abgang
    7 Punkte

  • Gobernador Oloroso
    Einer der wenigen Olorosos, die für eine kurze Zeit unter Flor ausgebaut werden, glänzendes Bernstein, viel Kaffee, Röstaromen, leichte Karamellnoten, speckig, rauchig, sehr feingliedrig, am Gaumen viel Nuss, Orangenzesten, stützende Säure, Alkohol sehr gut integriert, viel Walnuss, leicht süße Noten, sehr frischer Eindruck, bleibt sehr lange stehen mit lang nachhallendem Nuss-Bitterl-Finish
    9 Punkte

  • Morenita Cream
    Dunkles bernstein, rotgold, Dörrobst, Rosinen im Vordergrund, unterlegt mit einer Prise Salz, auch am Gaumen anfangs viel Rosinen, erfrischende, kontrastierende Salznoten, geht auf, Leder, Tabak, Bitterschokolade, schönes Säure-Süße-Spiel im mittleren Abgang, Alkohol hier etwas dominant
    6 Punkte

  • Pedro Ximénez
    Dunkles schwarzgrün, Rosinen etwas laut, fast aufdringlich, nach und nach Orangen, lässt Süße förmlich riechen, am Gaumen Schoko, Nuss, Kaffee, sehr breit, aber mit feiner Struktur, flüssige Sachertorte, mittlerer Abgang, Süße etwas im Vordergrund
    7 Punkte

  • PX Santa Ana 1861
    Sehr dunkles, ins Schwarz gehendes Bernstein, fein ziselierte Nase mit Räuchernoten, Bitterschokolade, Dörrobst, fleischig, dabei extrem dicht und verwoben, am Gaumen betonte, aber perfekt integrierte Süße, die niemals aufdringlich ist, wieder feinste Schokolade, Rosinen, Orangen, vielschichtig und komplex, sehr cremig, würzige Holz- und Tabaknoten, zarte Nuß im endlosen Abgang
    9,5 Punkte

    (Klaus Hackl)

  • EMILIO HIDALGO S.A.
    Calle Clavel 29
    Jerez de la Frontera
    Tel. +34 956 341 078
    emiliohidalgo@emiliohidalgo.es
    www.emiliohidalgo.es

    Bezugsquelle:
    Rudolf Wagner KG
    Scharnsteiner Straße 1
    A-4810 Gmunden
    Tel.+43 7612 784
    www.wagnerweb.at
    • Artikelbild
      foto: emilio hidalgo s.a.
    • Abfüllen anno dazumals.
      foto: emilio hidalgo s.a.

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