Frauenanteil in Parlamenten erst bei 17 Prozent

19. März 2007, 11:37
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Studie der Interparlamentarischen Union: Nur 35 weibliche Parlamentspräsidenten von insgsamt 262 - Parität nicht vor 2077

New York - Frauen sind in der Politik nach wie vor stark unterrepräsentiert. Im vergangenen Jahr hielten sie nach einer Untersuchung der Interparlamentarischen Union (IPU) weltweit nur 17 Prozent aller Parlamentssitze. Besonders schlecht sieht es in den Führungspositionen aus. Nur 35 von 262 Parlamentspräsidentinnen/-präsidenten (13,4 Prozent) waren Frauen. Mitgezählt wurden auch Oberhäuser wie der italienische Senat. Positive Fakten: Erstmals haben es Frauen auf die Spitzenposten der Volksvertretungen in Gambia, Israel, Swasiland, Turkmenistan und den USA geschafft. Die bekannteste von ihnen dürfte Nancy Pelosi sein, die neue Präsidentin des US-Repräsentantenhauses.

2077 Gleichstand

Die Zahlen seien zwar Rekordmarken, sagte IPU-Generalsekretär Anders B. Johnsson am Donnerstag bei der Vorstellung des Berichts in New York. Allerdings habe sich der Anstieg des Frauenanteils in den letzten Jahren verlangsamt. "Wenn wir einen Gleichstand von etwa 50:50 erreichen wollen, müssen wir bis zum Jahr 2077 warten, um dieses Ereignis zu feiern", sagte Johnsson.

Ruanda vor Schweden

Spitzenreiter in der Parlamentsstatistik mit einem Frauenanteil von 48,8 Prozent ist Ruanda, gefolgt von Schweden mit 47,3 Prozent. Mit deutlichem Abstand folgen Länder wie Costa Rica, Finnland, Norwegen und Dänemark. Deutschland bringt es mit 31,6 Prozent weiblichen Bundestagsabgeordneten auf den 15. Platz. Die Parlamente der USA (16,3 Prozent) und Frankreichs (12,2 Prozent) folgen weit hinter Staaten wie den Vereinigten Arabischen Emiraten (22,5 Prozent) und Nordkorea (20,1 Prozent). In neun Ländern gibt es keine einzige weibliche Abgeordnete, unter anderem im Saudi-Arabien, Katar und dem kleinen Pazifikstaat Palau. Unter den Weltregionen hält Europa mit 19,1 Prozent den Spitzenplatz, das Schlusslicht bilden die arabischen Staaten mit 8,6 Prozent.

Quote zieht

Positiv wirkt sich dem Bericht zufolge eine Quote aus. In den Ländern, in denen ein bestimmter Frauenanteil gesetzlich vorgeschrieben ist, konnten weibliche Abgeordnete fast 22 Prozent der Parlamentssitze erobern. In den anderen Ländern waren es im Schnitt nur 12 Prozent. "Die Quote ist nicht der einzige Mechanismus, um mehr Frauen in die Parlamente zu bringen. Aber der politische Wille ist wichtig", sagte Johnsson.

Nationalratspräsidentin Barbara Prammer vertrat Österreich bei der IPU-Konferenz bei den Vereinten Nationen. (APA/Reuters)

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    Spitzenreiter in der Parlamentsstatistik mit einem Frauenanteil von 48,8 Prozent ist Ruanda, gefolgt von Schweden mit 47,3 Prozent.
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