John McCain

12. März 2007, 11:07
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Ein Rebell, der viel Kredit verspielt hat

John McCain wählte die "Late Show with David Letterman", um seine Kandidatur für die US-Präsidentschaft anzukündigen - vielleicht wollte er damit Erinnerungen an das Jahr 2000 hervorrufen, als er als Rebell gegen das republikanische Establishment mit seinem "Straight Talk Express" durch die Lande fuhr und rasch zum Liebling der Medien, liberaler Republikaner - und der Demokraten wurde. Nach seinem Sieg über George Bush bei den Vorwahlen in New Hampshire gingen Karl Rove und seine Mannen zu persönlichen Angriffen über und warfen McCain nur Wochen später aus dem Rennen.

Sieben Jahre sind seither vergangen. Inzwischen hat es der heute 70-jährige McCain zuwege gebracht, sich die Gunst sehr vieler Anhänger, vor allem aber die der großen Gruppe von Unabhängigen zu verscherzen - seine Parteifreunde waren ohnehin nie glücklich mit ihm gewesen. Zunächst kämpfte er 2004 für die Wiederwahl seines Ex- Widersachers George W. und ließ dessen Umarmungen geduldig über sich ergehen. 2006 begann er die religiöse Rechte zu hofieren, die er zuvor immer harsch kritisiert hatte ("Agenten der Intoleranz"). Aber es ist letztlich seine Einstellung zum Irakkrieg und die Unterstützung der Bush-Strategie, die ihm am meisten geschadet hat: Neueste Umfragen zeigen den ehemaligen Spitzenreiter unter den Republikanern weit hinter Rudy Giuliani.

Für den 1936 geborenen Sprössling einer "Marinedynastie" (sein Vater und ein Großvater waren Admiräle) war immer klar, dass er eine Karriere in der US-Navy machen würde. Fast zehn Jahre nach dem Abschluss der "US Naval Academy" wurde er in Vietnam eingesetzt. Ende 1967 wurde er von den Nordvietnamesen gefangen genommen und jahrelang gefoltert. Als man ihm anbot, er könne früher aus dem berüchtigten Gefangenenlager "Hanoi Hilton" entlassen werden, weigerte er sich aus Loyalität gegenüber seinen Kameraden.

Nach seiner Befreiung im Jahr 1973 ließ er sich in Arizona nieder, von wo aus er 1982 ins Repräsentantenhaus gewählt wurde. 1986 trat er die Nachfolge von Barry Goldwater im US-Senat an und wurde seither dreimal wiedergewählt. Auf die Frage, ob er eine Vizepräsidentschaft ins Auge fassen würde, antwortete er nicht zum ersten Mal humoristisch ablehnend: "Da habe ich all diese Jahre in einem nordvietnamesischen Gefangenenlager verbracht, man hielt mich im Dunkeln und fütterte mich mit Überresten. Warum, zum Teufel, sollte ich das alles noch einmal wiederholen?"

Sollte er 2008 gewählt werden, wäre McCain bei seinem Dienstantritt der älteste Präsident in der US-Geschichte (Ronald Reagan war erst zu Beginn seiner zweiten Amtszeit 73 Jahre alt). McCain und seine zweite Frau Cindy haben gemeinsam sieben Kinder und vier Enkel.(Susi Schneider/DER STANDARD, Printausgabe, 02.03.2007)

  • Der republikanische Senator John McCain möchte gern Präsident werden
    foto:epa/stefan zaklin

    Der republikanische Senator John McCain möchte gern Präsident werden

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