Graz: Wenig Magie an einem "Jubiläums-Nachmittag"

1. März 2007, 18:42
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Ernst M. Binder re-inszeniert nach 20 Jahren Wolfgang Bauers "Magic Afternoon"

Graz - Vor 20 Jahren begründete der Regisseur Ernst M. Binder mit seiner Inszenierung von Wolfgang Bauers "Magic Afternoon" das Forum Stadtpark Theater Graz und hob damit längerfristig und nachhaltig die Qualität der freien Theaterszene in der Stadt. Das Stück war damals schon kein ganz junges mehr, sieht aber auch heute, fast 40 Jahre nach seiner Uraufführung, alles andere als alt aus. Legendäre Sager der eingekifften jungen Männer Charly und Joe oder die Spielchen ihrer Freundinnen Birgit und Monika, die Langeweile zweier Pärchen, die in tödliche Brutalität umschlägt, und der unverwechselbare "bäuerliche" Humor gaben dem Kultstück Überlebenskraft.

Binders Theater heißt mittlerweile "Drama Graz" - nur das Etikett wechselte, dahinter stehen 20 Jahre konsequente, sich stets weiterentwickelte Theaterarbeit Binders, deren Geburtstag jedenfalls gehörig gefeiert werden muss. Schön, dass Binder das mit der erneuten Inszenierung von "Magic Afternoon" tut, von dem man am Kulturkalender seiner Heimatstadt eineinhalb Jahre nach seinem Tod auffallend wenig zu Gesicht bekommt. Einzig die bereits zum zweiten Mal verschobene Ausstellungsinstallation Memory XS soll Bauer ab Mai ein temporäres Denkmal im Grazer Stadtmuseum setzen.

Weniger Freude kommt aber bei der aktuellen Inszenierung Binders auf. Einer, der in der Regel keine Kompromisse eingeht, schreibt und spielen lässt "bis es weh tut", ließ sich da zu einem phasenweise fast flapsigen Abend, statt zu einem magischen Nachmittag hinreißen. Der Witz des Textes verpufft mitunter wie ein seichter Faschingsgag in der Fastenzeit. Dafür haben der Nasenbruch Monikas und die versuchte Vergewaltigung Birgits nichts von der Härte, die man ihnen normalerweise nicht weginszenieren kann.

Auch von den Schauspielern Rudi Widerhofer, Ninja Reichert, Werner Halbedl und Anita Gramser sah man durchwegs schon Beeindruckenderes. Egal: Geburtstagswünsche bleiben angebracht. (Colette M.Schmidt / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.3.2007)

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    foto: drama graz
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