Journalisten verlassen aus Protest polnisches Fernsehen

9. März 2007, 12:04
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Nach Entlassung des TVP-Chefs Bronislaw Wildstein

Prominente Journalisten verlassen aus Protest den staatlichen polnischen Fernsehsender TVP, weil der Aufsichtsrat am Montag Präsident Bronislaw Wildstein entlassen und den ehemaligen Leiter der Kanzlei von Präsident Lech Kaczynski auf diesen Posten berufen hat. "Für parteilichen und unprofessionellen Journalismus werde ich mein Gesicht nicht hergeben", erklärte etwa die Moderatorin der Nachrichtensendung "Wiadomosci", Dorota Gawryluk.

Ähnlich äußerte sich der politische Reporter der "Wiadomosci", Jacek Karnowski. "Ich kann mir nicht vorstellen, unter einem Politiker als Chef zu arbeiten", sagte er. Nach Informationen der Tageszeitung "Gazeta Wyborcza" erwägen weitere Redakteure die Kündigung. Schon jetzt müssten in aller Eile Journalisten aus Lokalredaktionen nach Warschau beordert werden, um die Löcher zu stopfen, zitiert die Zeitung anonym einen TVP-Mitarbeiter.

Neben der scharfen Kritik der Opposition an der Entlassung Wildsteins gibt es inzwischen auch kritische Stimmen in der rechtskonservativen Regierungspartei PiS (Recht und Gerechtigkeit). "Ich habe die Befürchtung, dass der Wechsel keine Veränderung zum Besseren bedeutet", sagte etwa der PiS-Abgeordnete Kazimierz Ujazdowski am gestrigen Mittwoch in einem Radiointerview und äußerte Zweifel an der Qualifikation des neuen TVP-Chefs.

Ministerpräsident Jaroslaw Kachynski (PiS) hatte indes den Führungswechsel begrüßt. Beobachter halten die kritische Berichterstattung von TVP über den Regierungsbericht zum Ex-Militärgeheimdienst WSI in den vergangenen Wochen für den Anlass von Wildsteins Entlassung. Allerdings hatten Vertreter der Regierung, vor allem der kleineren Regierungsparteien, Wildstein schon zuvor scharf kritisiert.

Der neue TVP-Präsident Andrzej Urbanski, der diese Funktion zunächst nur kommissarisch ausübt, nahm schon einige personelle Veränderungen vor. So wurde Jaroslaw Grzelak Leiter der Informations-Agentur, die alle Informationsprogramme des Fernsehens beaufsichtigt. Grzelak gilt als gemäßigt konservativer Fernsehjournalist. (APA)

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