Rund 7.000 Jahre alter Wohnhügel in Sachsen-Anhalt

9. März 2007, 16:00
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Erste Besiedlung in der Jungsteinzeit

Oberröblingen - Archäologen haben in der Nähe von Oberröblingen (Sachsen-Anhalt) einen rund 7.000 Jahre alten so genannten Wohnhügel entdeckt. Der Hügel sei im Laufe der Jahrhunderte beim Zerfall von Wohnungen entstanden und bestehe beispielsweise aus Lehmresten, sagte der Archäologe Robert Ganslmeier vom Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle am Donnerstag.

"Eine derartige Anlage ist deutschlandweit einmalig. Die Menschen haben sich hier seit der Jungsteinzeit auf einer großen Fläche hochgewohnt", erklärte Ganslmeier und bestätigte damit entsprechende Medienberichte. Auf dem Wohnhügel habe es rituelle Handlungen gegeben. Die Archäologen fanden auch eine 3.000 Jahre alte Opferstelle.

Opferung oder Hinrichtung

"Wir fanden zwei geköpfte Jugendliche ohne Köpfe, daneben lag das zerstückelte Skelett eines Pferdes, bei dem der Schädel und die Hinterläufe fehlten sowie die Reste eines Kalbes und einen Hundeschädel" sagte der Archäologe. Einer der Jugendlichen habe einen Armring aus Knochen getragen, zudem lagen bei den Tierskeletten mehrere Keramikgefäße. "Entweder diese Menschen wurden geopfert oder hingerichtet", sagte Ganslmeier.

Laut Ganslmeier haben zunächst Steinzeitmenschen vor 7.000 bis 5.500 Jahren aus Lehm und Siedlungsabfällen die ovale Wohnstätte von 100 Meter Länge und 50 bis 60 Metern Breite angelegt. "Aus irgendeinem rätselhaften Grund wurde der Wohnhügel dann vor 5.500 Jahren verlassen, und erst vor 3.000 Jahren kamen spätbronzezeitliche Menschen zurück und lebten hier nochmals etwa 300 Jahre", sagte der Archäologe.

Archäologen bezeichnen eine solche Anlage auch als "Tell". Wohnhügel kennt man vom Balkan, Vorderasien und Indien. Manche Komplexe wurden bis zu 40 Meter hoch, die Reste des neu entdeckten Hügels bei Oberröblingen sind etwa 1,80 Meter hoch. (APA/dpa)

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