Der Übernahmeplan

22. Juli 2000, 17:14
Wien/München - Der HypoVereinsbank-Vorstand unter Generaldirektor Albrecht Schmidt sei fest entschlossen, noch vor Jahresende 2000 die Kontrolle bei der größten Bankengruppe Österreichs zu übernehmen, schreibt das Nachrichtenmagazin "profil" vorab in seiner Montag-Ausgabe. Es zitiert einen mehrstufigen "Übernahmeplan":

  • Demnach wolle die Hypo in einem ersten Schritt lediglich eine Sperrminorität von 25,1 Prozent an der Bank Austria erwerben. Die Aktien sollen im Wesentlichen von der WestLB und aus Beständen der AVZ übernommen werden.

  • In weiterer Folge sollen die beiden großen BA-Banktöchter Creditanstalt und die für das Auslandsgeschäft zuständige BA/CA-International mit der Muttergesellschaft verschmolzen werden. Die Marke "Creditanstalt" soll jedoch bis auf weiteres erhalten bleiben.

  • In einem dritten Schritt solle der gesamte fusionierte Bankbetrieb in eine neue, nicht börsenotierte hundertprozentige Tochter "Bank-Austria-Neu" eingebracht werden. Die alte Bank Austria AG bliebe vorübergehend als reine Holding erhalten.

  • Da das Übernahmegesetz bei nicht börsenotierten Gesellschaften wirkungslos sei, könnte die alte Bank Austria und nunmehrige Holding bis zu hundert Prozent ihrer BA-Neu-Anteile an die HypoVereinsbank abtreten, schreibt "profil".

  • Als Gegenleistung solle die Holding junge Hypo-Aktien aus einer Kapitalerhöhung erhalten. Die unmittelbare Konsequenz: Die verbliebenen BA-Aktionäre, etwa die AVZ-Stiftung oder die Wiener Städtische, würden auf diesem Wege zu Aktionären der HypoVereinsbank.

Der schwerste Brocken müsse freilich erst noch gestemmt werden. Denn die Übernahme der BA wird für die Hypo auch mit einer verkaufswilligen Gemeinde Wien alles andere als eine lockere Trainingseinheit, so der Bericht. Das von internationalen Investoren nicht eben goutierte österreichische Übernahmerecht sieht nämlich vor, dass beim Erwerb von 30 Prozent einer börsenotierten Gesellschaft allen Aktionären der Gesellschaft ein verbindliches Offert zu machen. Wer beispielsweise eine knappe Mehrheit von 51 Prozent anstrebt, muss trotzdem für 100 Prozent bieten. Die Bayern haben bis zuletzt keinen Zweifel daran gelassen, dass sie - wenn überhaupt - nicht als Minderheitsaktionär bei der BA einzusteigen gedenken. Bankinternen Bewertungen zufolge wären bei einem Einstieg in die Bank Austria derzeit zwischen 60 und 64 Euro, umgerechnet 826 bis 881 Schilling, je Aktie fällig. Wer 100 Prozent der Bank Austria übernehmen will, müsste damit stattliche 100 Milliarden Schilling in die Hand nehmen. (APA)

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