Experten: Zentralbanken können Börsencrash nicht verhindern

20. März 2007, 13:34
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Zentralbanken können spekulativen Übertreibungen an den Finanzmärkten kaum gegensteuern - Leitzinserhöhungen nur wenig Aussicht auf Erfolg

Berlin - Zentralbanken können spekulativen Übertreibungen an den Finanzmärkten nach Meinung von Experten kaum gegensteuern. Für zwei Drittel der 270 befragten Fachleute haben leichte Leitzinserhöhungen nur wenig Aussicht auf Erfolg, dem Entstehen von Vermögenspreisblasen rechtzeitig entgegen zu wirken, hieß es in einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). "Lediglich rund 32 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, dass eine richtige Diagnose von Blasen oder eine geldpolitische Prävention möglich sind", heiß es.

Gegen ein Eingreifen der Zentralbanken sprechen vor allem drei Gründe. Blasen entstünden durch irrationalen Überschwang von Investoren. Daher seien geldpolitische Maßnahmen kaum wirksam, sagten Experten. "Ein anderer Teil der Befragten ist der Ansicht, dass Zentralbanken ungerechtfertigte Preissteigerungen nicht besser identifizieren können als alle anderen Marktteilnehmer und daher gar nicht im Voraus handeln können", schrieben die Forscher. Schließlich ist ein Teil der Finanzexperten überzeugt, dass selbst ein geringer Zinsanstieg die Konjunktur und die Inflation bremse, aber kaum einem massiven Anstieg der Aktienkurse entgegen wirke.

Am Dienstag hatte ein Kursrutsch an der Schanghaier Börse weltweit für Verunsicherung bei den Anlegern gesorgt und zu den größten Verlusten seit 2001 geführt. Am Mittwoch löste der Crash panikartige Verkäufe an der Frankfurter Börse aus. Auch der ehemalige Fed-Chef Alan Greenspan hatte zu den Kursverlusten beigetragen. Er bezeichnete es am Montag als möglich, dass die USA bis zum Jahresende in eine Rezession rutschen könnten. Nach Aussage von US-Notenbankchef Ben Bernanke gibt es für die Kursverluste offenbar keinen einzelnen Auslöser. (APA/Reuters)

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