Welser Profile strebt Rekord bei Produktionsumsatz an

19. März 2007, 10:33
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Familienkonzern investiert 40 Millionen Euro in deutsche Produktion - Vorsorge für Nachfolgeregelung dämpft Investitionspläne

Wien/Ybbsitz - Der niederösterreichische Metallverarbeiter Welser Profile will mit seiner Produktion von Stahlprofilen heuer erstmals einen Produktionsumsatz von über einer halben Mrd. Euro einfahren. "Der Umsatz unserer beiden Produktionsstandorte in Österreich und Deutschland wird heuer 500 Mio. Euro überschreiten", sagte der Chef des Familienunternehmens, Wolfgang Welser, am Donnerstag im Klub der Wirtschaftspublizisten. Die Zahl der Mitarbeiter in Österreich soll dabei "heuer die 1.000er-Grenze knacken".

Der Betriebsgewinn (EBIT) des Unternehmens liegt laut seinem Chef bei über 10 Prozent. Zum Vergleich: Die voestalpine hat im Bereich Profilform im Geschäftsjahr 2005/06 eine EBIT-Marge von 11,2 Prozent erzielt. Derzeit verarbeitet Welser insgesamt rund 400.000 Tonnen Stahl im Jahr, etwa 180.000 Tonnen kommen von der voestalpine.

"Arbeitskräfte-Reservoir"

40 Mio. Euro will Welser in den nächsten beiden Jahren in die Erweiterung seiner deutschen Produktion in Dortmund investieren. Die Zahl der Mitarbeiter dort soll bis 2010 von 575 auf 850 steigen. "Dort gibt es noch ein Arbeitskräfte-Reservoir, weil eine Reihe von Stahlstandorten stillgelegt und zunehmend auch Kohleabbau-Quellen liquidiert wurden", erklärte Welser. Die Arbeitslosenrate, die im Raum Dortmund schon bei 16 Prozent gelegen sei, betrage in der Region immer noch 10 Prozent. Dennoch seien die Menschen hochmotiviert. Die Bereitschaft zu Überstunden und Mehrleistungen sei wesentlich höher als in Österreich. Einen neuen, dritten Produktionsstandort plant das Unternehmen aber nicht.

Probleme hatte das Familienunternehmen nicht nur mit dem heimischen Fachkräftemangel. Welser klagte auch einmal mehr über die nach wie vor bestehende Erbschafts- und Schenkungssteuer. Der jetzige Firmenchef sprach von einem "Damoklesschwert von 40 Mio. Euro für die gesamte Firmengruppe". Selbst bei Einbringung des Unternehmens in eine Stiftung würde noch ein Drittel davon übrig bleiben. Das Unternehmen sei deshalb gezwungen seine Investitionen zu reduzieren, damit die Nachfolger die Kosten durch Entnahmen decken könnten. "Sonst würde uns nichts anderes übrig bleiben, als das Unternehmen an die Börse zu bringen", beklagte Welser, gleichzeitig Obmann der Bundessparte Industrie in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ).

Laut dem Kammerfunktionär müssen in den nächsten Jahren mindestens 5.000 Familienbetriebe übergeben werden. Man müsse die hundertprozentigen Familienunternehmen "verteidigen, so lange es sie noch gibt", forderte er. Denn nur Familienbetriebe, die auch an die nächsten Generationen denken müssen, würden langfristig Verantwortung tragen und nicht in Vorstandsperioden denken. Die Familienbetriebe seien daher "ein wichtiger Punkt für die Nachhaltigkeit des Wirtschaftsstandorts Österreich", so Welser. (APA)

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