Schwestern mit Messer attackiert: 20 Jahre Haft

4. März 2007, 20:16
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Täter hatte vor elf Jahren damalige Freundin ebenfalls nach Volksfest erwürgt - In Anstalt eingewiesen

Wien - Der 29-jährige Mann, der in der Nacht auf den 20. August 2006 in seiner Wohnung in der Heiligenstädter Straße seine 26 Jahre alte Lebensgefährtin und ihre 16 Jahre alte Schwester mit einem 36 Zentimeter langen Küchenmesser attackiert und lebensgefährlich verletzt hatte, ist am Donnerstag im Straflandesgericht wegen versuchten Mordes zu 20 Jahren Haft verurteilt worden.

Zusätzlich wies ihn das Schwurgericht auf Grund einer entsprechenden Gefährlichkeitsprognose - demnach sind laut psychiatrischem Gutachten ohne entsprechende Behandlung nach seiner Entlassung weitere Straftaten mit schweren Folgen zu befürchten - in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher ein. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, Verteidiger Harald Schuster erbat Bedenkzeit.

Neustifter Kirtag besucht

Der Mann hatte mit seiner langjährigen Freundin - die beiden haben eine mittlerweile sechs Jahre alte Tochter -, ihren beiden jüngeren Schwestern und mehreren Bekannten den Neustifter Kirtag besucht. Er sprach dort eifrig dem Alkohol zu, bis seine notorische Eifersucht durchbrach: Einmal mehr warf er der 26-Jährigen vor, ihn betrogen zu haben.

"Das einzige Problem in der Beziehung war ich, mein Alkoholkonsum und meine ständige Eifersucht", gab der Angeklagte zu Protokoll. All das dürfte ihn schon länger begleiten: 1996 hatte er als 19-Jähriger - ebenfalls nach einem Volksfest - unter erheblichem Alkoholeinfluss seine damalige Freundin am Heimweg der Untreue bezichtigt und sie schließlich tätlich angegriffen und im Zorn erwürgt.

Er kam deswegen wegen Mordes vor Geschworene, wurde in diesem Verfahren aber nur wegen Körperverletzung mit Todesfolge schuldig gesprochen, zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt und nach Verbüßung der Strafhälfte ohne jedwede Auflagen bedingt entlassen.

Das änderte nichts an seinen Trinkgewohnheiten und seiner damit einhergehenden Aggressivität, wenn er zu tief ins Glas geschaut hatte. Als er am Kirtag immer mehr stänkerte, ging seine Freundin mit ihren Schwestern und ihrer Tochter sicherheitshalber vorzeitig nach Hause. Stunden später und mit einer Flasche Wodka unterm Arm, die er sich an einer Tankstelle besorgt hatte, kam der 29-Jährige nach.

Die Frauen wollten ihn zunächst gar nicht in die Wohnung lassen. Weil er gegen die Tür schlug und schreiend Sturm läutete, machte man ihm doch auf. Er suchte das Gespräch mit seiner Freundin, machte ihr neuerlich Vorhaltungen, einen anderen zu haben, trank in der Küche weiter und ging schließlich mit einem Messer ins Schlafzimmer, wo die jungen Frauen zu schlafen versuchten.

Schwester der Freundin attackiert

Zunächst attackierte der 29-Jährige die 16 Jahre alte Schwester seiner Freundin, die fliehen wollte. Er stach ihr in die Schulter, verfolgte sie in die Küche, wo er ihr das Messer in die Beine, in den Hals und in die Wange rammte. Dann ließ er von ihr ab, um auf seine Lebensgefährtin loszugehen.

Diese versuchte verzweifelt, die Schlafzimmertür zuzuhalten, worauf er mit der Faust die verglaste Tür einschlug und ihr seine Waffe in den Bauch jagte. Die 26-Jährige erlitt lebensgefährliche Verletzungen - der Darm wurde durchtrennt. Dennoch flüchtete sie durch ein Fenster in der ebenerdig gelegenen Wohnung, wobei ihr der Mann noch in Oberschenkel und Beine stach. Im Hof rief die lebensgefährlich Verletzte dann lautstark um Hilfe.

Der Täter hatte noch immer nicht genug. Die dritte Schwester, gerade 13 Jahre alt, hatte sich schützend über die kleine Tochter des Mannes geworfen, der er sich nun mit dem Messer näherte. "Willst dein eigenes Kind abstechen?", rief die 13-Jährige. Das dürfte den Mann vor weiteren Angriffen abgehalten haben.

Vor Gericht machte er Erinnerungslücken in Folge des konsumierten Alkohols geltend: "Ich weiß nicht, wie ich zu diesem Messer gekommen bin. Ich weiß nicht, was ich gesagt habe, ich weiß nicht, was ich getan habe. Tatsache ist, ich kann mich nicht erinnern." (APA)

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