Athletische Suche nach Musiktiefe

1. März 2007, 14:53
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Starpianist Lang Lang besucht Salzburg

Er gilt als der zurzeit erfolgreichste Pianist der Welt, als Popstar auf dem Steinway. Und bei kaum einem anderen Musiker trifft die Übersetzung des Geburtsnamens so sehr auf die künstlerische Persönlichkeit zu. Lang Lang - im Chinesischen sind es zwei verschiedene Schriftzeichen - bedeutet übersetzt "Herr Brillant".

Als der 1982 im chinesischen Shenyang geborene Pianist im zarten Alter von zwei Jahren im Fernsehen Tom und Jerry sah und dazu die Ungarische Rhapsodie Nr. 2 von Franz Liszt hörte, war dies nicht nur die erste Begegnung mit westlicher Musik. Sie weckte in ihm auch den Wunsch, Klavier spielen zu können. Nachdem er sechs Jahre in seiner Heimatstadt studiert hatte, ging er mit neun Jahren an die zentrale Musikhochschule nach Peking. Die Zeit in der chinesischen Hauptstadt beschreibt Lang Lang rückwirkend als sehr schwer. So lebte er gemeinsam mit seinem Vater, der als Konzertmeister klassische chinesische Musik spielte, in einem winzigen Zimmer ohne Heizung.

Nach dem Gewinn zahlreicher Wettbewerbe gelang ihm 1999 beim Raviana Festival bei Chicago der internationale Durchbruch. Als André Watts überraschend absagen musste, folgten die Veranstalter dem Rat Isaac Sterns und engagierten Lang Lang. Seine Interpretation von Tschaikowskys Erstem Klavierkonzert mit dem Chicago Symphony Orchestra erregte internationales Aufsehen und war der Start für einen bis dato andauernden Höhenflug. Dabei kann Lang Lang polarisieren. Nicht nur, weil er in Stadien vor zigtausenden Zuschauern spielt; auch seine Interpretationen und seine Bühnenpräsenz lösen Diskussionen aus.

Lang Lang nimmt's gelassen. Trifft man ihn persönlich, so beeindruckt sofort sein sympathisches Wesen. Dass er zugleich Konzertpianist und Popstar ist, störe ihn nicht, im Gegenteil. Er könne mit den besten Musikern zusammenarbeiten, zudem sei es in einer Welt, in der das Interesse an klassischer Musik sinkt, wichtig, Präsenz zu zeigen.

In seiner Heimat China existiert zurzeit ein wahrer Klavierboom, an dem Lang Lang nicht unbeteiligt ist. Neunzig Prozent seiner Konzertbesucher in China sind junge Leute.

Lang Lang ist auch Unicef-Botschafter. Und mit Steinway entwickelte er ein Piano unter der Marke "Lang Lang", ein Klavier, das durch poppige Features das Interesse von Kindern am Klavierspiel steigern soll. Seine Klaviertechnik vergleicht Lang Lang mit der Geschmeidigkeit einer Katze. Er sei mit sehr athletischen Händen gesegnet, die sich ganz dem Lauf der Musik anpassen. Er feile daher kaum mehr an seiner Technik, eher daran, tiefer in die Musik einzudringen. Neben Klassik interessiert ihn anspruchsvoller Pop und Jazz. Und er liebt Fußball, besonders Manchester United und Wayne Rooney. (Robert Spoula / SPEZIAL/ DER STANDARD, Printausgabe, 01.03.2007)

2. und 6. April, Großes Festspielhaus, jeweils 18.30
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    Meister Lang Lang spielt mit den Berliner Philharmonikern das 3. Klavierkonzert von Prokofjew.

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