Charmantes Gestalten

1. März 2007, 14:48
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Sie bringt neue Ideen mit Augenmaß ein und wirbt für diese mit herzlicher Entschlossenheit: Ein Gespräch mit der US-Amerikanerin Pamela Rosenberg

Die Intendantin der Berliner Philharmoniker, über Subventionen und den Sinn von Kunstwagnissen.



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Gespräche muss die 1945 in Los Angeles geborene Musikmanagerin zurzeit wohl unzählige führen, und sie tut dies mit einer Mischung aus Zielstrebigkeit, Charme und Sachbezug, die in ihrer Position nicht alltäglich ist. Man spürt, dass Pamela Rosenberg trotz ihres auch aus pekuniären Zahlenspielen bestehenden Alltags in Kunstdimensionen zu denken vermag. Und vor allem die entsprechenden Ziele im Auge hat - auch wenn es darum geht, in der Berliner Situation um neue Publikumsgruppen zu werben.

Während anderswo aus der Wirtschaft kommende Personen im Kulturmanagement favorisiert und künstlerische Qualitäten zuweilen als bloße Zusatzqualifikationen betrachtet werden, sieht Pamela Rosenbergs Biografie etwas anders aus: Sie studierte in Berkeley Geschichte, Literatur- und Musikwissenschaft, erhielt dann eine praktische Ausbildung durch Wieland Wagner in Bayreuth und arbeitete an Opernhäusern in Amsterdam, Hamburg und Frankfurt. Nach einer Co-Intendanz an der Stuttgarter Staatsoper mit Klaus Zehelein wurde sie Intendantin der San Francisco Opera, bevor sie nach Deutschland zurückkehrte. So verwundert es kaum, dass da schon Kontakte waren. Und die Gesprächsbasis mit dem Orchester stellte sich durch Einladungen zum Kaffee an alle Musiker rasch her . . .

Obwohl sie dafür gerühmt wird, stets Wege zu finden, um an finanzielle Mittel zu gelangen, kümmert sie sich mit Verve um Programmatisches:

"Es ist eine gemeinsame Gestaltung durch Simon Rattle, die anderen Mitglieder des Stiftungsvorstandes und mich", betont sie. "Wir sitzen oft Stunden zusammen und reden über Programme. Simon hat die Entscheidungsbefugnisse, er gibt die großen Linien vor, wir müssen aber einen Konsens erreichen. Die Berliner Philharmoniker etwa haben an die 35 Kammermusikgruppen, deren Programme wir mit den Orchesterkonzerten verknüpfen möchten." Bei ihrem Amtsantritt hatte Rosenberg bekannt gegeben, neue, auch junge Publikumsschichten ansprechen zu wollen. Für alle Generationen wird es Mittagskonzerte bei freiem Eintritt geben, und schon jetzt sind unter dem Motto "Zukunft@BPhil" Projekte für Jugendliche entstanden. Die Strategie?

"Crossover mit Rock und Pop kann nicht unser Weg sein. Wir überlegen uns aber viel für Teenager und veranstalten Familienkonzerte, wo Instrumentengruppen unterhaltsam vorgestellt werden. Außerdem haben wir immer Karten für Menschen bis 23 zu reduzierten Preisen, sogar bei ausverkauften Konzerten."

Signale setzen

Ein Signal anderer Art bedeutet die Reihe "Dialog der Kulturen", bei der etwa Hofmusik aus Konstantinopel der vom Hof Friedrich des Großen gegenübergestellt wird. "Immerhin hat Berlin den höchsten türkischen Bevölkerungsanteil außerhalb der Türkei."

Kann eigentlich Europa - ebenfalls im Rahmen eines "Dialogs der Kulturen" - von US-Ideen im Kulturbetrieb profitieren? "Wir haben die Idee von ,volunteers for the arts', wo Freiwillige Menschen mit Orientierungsschwierigkeiten im Foyer weiterhelfen, aber auch über Konzerte oder die Orchesterakademie informieren und kleine Serviceleistungen anbieten, importiert."

Beim Sponsoring würde die Übertragung "amerikanischer Verhältnisse auf europäische jedoch den Vergleich von Äpfeln mit Birnen bedeuten, weil die Steuersysteme unterschiedlich sind. Die USA haben andere Traditionen, es gab nie Subventionen. Sogar staatliche Universitäten erhalten lediglich 35 Prozent des Budgets vom Bundesstaat".

Außerdem sei Fundraising sehr personenintensiv. "In San Francisco hatte ich 16 Mitarbeiter, die damit beschäftigt waren - Full Time! Das ist nicht ohne Weiteres auf Europa übertragbar. Es gibt natürlich auch eine logische Begründung für Subventionen, dass man Freiraum haben muss für künstlerische Risiken. Sonst droht der künstlerische Stillstand."

Kunst habe eine wichtige Funktion in der Gesellschaft: "Sie kann unseren Horizont erweitern. Wenn man nur Bekanntes wiedergibt, wird das schwierig. Wenn man es aber wagt, etwas Neues zu zeigen, ist das Publikum oft sehr offen - aber viele Veranstalter versuchen das erst gar nicht. Ich hatte eine alte Frau, die mir, mit der Auflage, es solle nur für Neues verwendet werden, viel Geld gegeben hat ..." (Daniel Ender /SPEZIAL/ DER STANDARD, Printausgabe, 01.03.2007)

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    Pamela Rosenberg über ihren Arbeitsstil: "Wir sitzen oft Stunden zusammen und reden über Programme."

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