Le Pen fehlen noch fast hundert Wahlpaten für neue Kandidatur

1. März 2007, 14:51
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Rechtsextremer klagt wegen Einschüchterungsversuchen

Saint-Cloud - Der französische Rechtsextremen-Führer Jean-Marie Le Pen sucht nach eigenen Angaben noch fast ein Fünftel der notwendigen Wahlpatenschaften für eine erneute Präsidentschaftskandidatur: Zwei Wochen vor Ablauf der Frist fehlten ihm noch fast hundert der 500 erforderlichen Wahlpaten, klagte Le Pen am Donnerstag in Saint-Cloud bei Paris. Die Frist zur Anmeldung der Kandidaturen läuft am 16. März ab. Um die Patenschaften gibt es traditionell Gerangel. 2002 hatte Le Pen es nur knapp über die 500er-Hürde geschafft. Schließlich war er aber sogar in die Stichwahl um das höchste Staatsamt gegen Amtsinhaber Jacques Chirac eingezogen.

"Rund 500 Patenschaften" versprochen

Bürgermeister und andere gewählte Volksvertreter hätten ihm ursprünglich "rund 500 Patenschaften" versprochen, sagte der 78-jährige Le Pen vor Journalisten. "Mehr als 20 Prozent" seien aber wieder abgesprungen. Diese "Rückzugsbewegung" sei kein Zufall, sagte der Chef der fremdenfeindlichen Partei Front National (FN): Unbekannte hätten eine ganze Reihe von Bürgermeistern vor allem in den Regionen Bourgogne, Franche-Comté und Picardie mit Anrufen eingeschüchtert. Die Anrufer hätten sich als Journalisten unter anderem der Regionalzeitungen "L'Est Républicain" und "L'Union" ausgegeben.

Er habe wegen der Anrufe bereits 14 Strafanzeigen gegen Unbekannt gestellt, sagte Le Pen, dazu eine Klage gegen den Präsidentschaftsanwärter Philippe de Villiers. Der Rechtspopulist Villiers hatte im Fernsehen gesagt, Le Pen habe seine Patenschaften zusammen und stelle sich lediglich als Opfer dar.

Geldgeschenke

Le Pens Partei versucht dagegen offenbar auch, mit Geldgeschenken Bürgermeister zur Unterschrift unter die Paten-Erklärung zu bewegen. Der parteilose Bürgermeister des Dorfes Saint-Pierre-d'Arthéglise, Roger Lechevalier, sagte der Zeitung "Le Parisien" (Donnerstag-Ausgabe), er habe schon bei der Wahl 2002 von einem FN-Vertreter 750 Euro für die Unterstützungsleistung bekommen, die in die Gemeindekasse gegangen sei. Dieses Mal sei ihm ein Scheck von 1000 Euro zugeschickt worden. Den will Lechevalier jetzt zurücksenden und Le Pen nicht mehr unterstützen.

Die Franzosen wählen am 22. April und am 6. Mai ein neues Staatsoberhaupt. Le Pen liegt in Umfragen zu den Wahlabsichten derzeit auf Rang vier hinter dem Konservativen Nicolas Sarkozy, der Sozialistin Ségolène Royal und dem Liberalen-Chef Fran#ois Bayrou. (APA/AFP)

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