Schmink’s dir doch ab

30. Juli 2007, 14:01
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Reinigung ist für die Haut ebenso wichtig wie Pflege, wird in seiner Wirkung aber weithin unterschätzt - Für eine makellose Haut gilt es, tägliche Rituale zu etablieren - Die Varianten sind zahlreich

Am schönsten ist, wenn Spezialisten aus dem Nähkästchen plaudern, Kosmetikkonzerne etwa, die auf Basis von Verkaufszahlen Nationaltypologien erstellen können. So ist es ein offenes Geheimnis, dass Französinnen Wasser im Gesicht zum Entfernen von Make-up nicht unbedingt schätzen. Hierzulande ist es genau umgekehrt, ohne Wasser bleibt für viele der Eindruck, nicht wirklich sauber zu sein. In Japan wiederum ist Reinigung als Ritual seit jeher kulturell verankert, die Japanerin duscht, bevor sie ein Vollbad nimmt.

Dementsprechend unterscheiden sich auch die allabendlichen Abschminkprozeduren. Milch oder Tonic? Wasser und Seife? Oder Öl und dann Wasch-Emulsion? Die Spielarten für eine porentief reine Haut sind mannigfach. Erst einmal gilt es, sich über seinen Hauttyp Klarheit zu verschaffen, denn das ist der erste Filter, den man für die Wahl der richtigen Produkte braucht.

Erst dann geht es um die Reinigung an sich. Der Dreck muss weg, ist dabei die oberste Maxime, denn wer damit ins Bett geht, steht mit Hautunreinheiten am nächsten Tag wieder auf. Konkret sind also Selbstproduziertes wie Schweiß und Talg, Make-up, Lidschatten & Co und Wimperntusche zu entfernen und nicht zu vergessen der Schmutz aus der Umwelt, der sich über den Tag auf der Haut sammelt.

Wasser allein genügt nicht

All diese Komponenten lassen sich nur mit Wasser niemals entfernen. Warum? Weil Wasser allein eben nicht fettlösend ist. Konkret gibt es mehrere Wege, um Fett zu binden. Variante Numero eins: Abschminkmilch oder entsprechende Reinigungsgels, die Fett und Schmutz aufnehmen und dann mit dem Wattepad weggewischt werden. Neuerdings gibt es Instant-Lösungen in Form von Reinigungstüchern, die zwei Schritte zu einem verbinden. Variante Numero zwei: Waschemulsion, Reinigungsschaum oder Gesichtsseife, die ebenfalls Schmutz an sich ziehen, emulgieren und somit abgewaschen werden können. Wer dabei noch die Hautschuppen abrubbeln will, wählt ein Produkt mit Körnchen und erledigt damit gleich auch das Peeling.

Das Problem dabei: Wenn das Wasser, wie in vielen Großstädten dieser Welt, schlecht und deshalb mit Chlor versetzt ist, ist Wasser zum Abwaschen tatsächlich nicht optimal. Für beide Varianten empfehlenswert ist ein anschließender Durchgang mit Tonic: Es entfernt letzte Reste von Schmutz und erfrischt. Für alle, die wasserfesten Mascara verwenden, sind Spezialprodukte zum Entfernen des Augen-Make-ups eine gute Sache. Klingt insgesamt also wie eine Wissenschaft, das ist es auch. Einhellig hingegen ist die Meinung der Experten: Erst wenn die Haut sauber ist, ist das Auftragen pflegender Cremen sinnvoll.

Die wirklich zeitintensive Nachricht kommt jetzt allerdings zum Schluss. "Die Haut produziert in der Nacht Talg und entgiftet", sagt Dermatologe Markus Dawid und empfiehlt das allabendliche Ritual auch in der Früh. Wer wünscht sich da nicht eine Art Reinigungsschleuse, die Milch, Gel, Seife und/oder Tonic voll automatisch über die Bühne bringt. Am besten in drei Minuten während des Zähneputzens zum Beispiel. Das wäre im Sinne der reinen Haut dann wirklich toll, muss aber erst noch erfunden werden. (Karin Pollack/Der Standard/rondo/02/03/2007)

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