Herausforderung Herzschwäche

9. März 2007, 16:36
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Kardiologe: ÖsterreicherInnen leiden zunehmend an Herzinsuffizienz - viele Ursachen lebensstilbedingt

Wien - "Herzschwäche ist die neue medizinische Herausforderung unserer Zeit", so Kurt Huber, Kardiologe am Wiener Wilhelminenspital, am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien. Die Sterberate der Patienten mit Herzinsuffizienz (HI) innerhalb von fünf Jahren sei höher als bei den meisten Krebsarten. Immer mehr ÖsterreicherInnen - derzeit rund 160.000 - leiden daran.

HI sei weiter stärker auf dem Vormarsch als jede andere Herz- oder Gefäß-Krankheit, so der Mediziner. 27.000 Patienten und Patientinnen werden deshalb in Österreich pro Jahr in Krankenhäusern aufgenommen - "mit steigender Tendenz", sagte Huber. 15.000 Menschen fallen der Krankheit, bei der das Herz nicht mehr genügend Blut durch den Körper pumpt, hier zu Lande jährlich zum Opfer. Über die Hälfte der an schwerer HI Erkrankten stirbt innerhalb eines Jahres. Viele Menschen entwickeln eine Herzinsuffizienz nach Infarkten, aber auch Entzündungen oder Bluthochdruck können der Krankheit zu Grunde liegen, so Huber. Viele Ursachen seien zudem lebensstilbedingt, wie etwa Übergewicht, Rauchen, hohe Cholesterinwerte und Bewegungsmangel.

Unkenntnis

Dass die Patienten und Patientinnen unter Atemnot, Müdigkeit, fehlender Leistungsfähigkeit, geschwollenen Füßen und Knöcheln leiden, ist der österreichischen Bevölkerung kaum bekannt. Einer aktuellen IMAS-Studie unter 1.000 Befragten zufolge hat "die Hälfte der Österreicher über 16 Jahren überhaupt keine Vorstellung von der Gefährlichkeit der Krankheit", stellte Helmut Schulter, Bundesgeschäftsführer des Österreichischen Herzverbandes fest.

Ein Viertel hat von Herzinsuffizienz noch nie etwas gehört. Lediglich ein Drittel weiß, dass die Krankheit lebensbedrohlich ist. Knapp drei Viertel würden zwar zum Arzt gehen, 15 Prozent würden sich laut der Studie jedoch selbst mit Aspirin behelfen. Hier seien Ärzte und Ärztinnen genauso wie Patientenorganisationen gefordert, Aufklärungsarbeit zu leisten, so Schulter. Bei vielen HI-Erkrankten komme es wegen Unwissenheit zu neuerlichen langen Spitalsaufenthalten. Ein "nicht zu geringer Teil" der jährlichen Kosten (340 Millionen Euro) könnte eingespart werden, meinte er.

Aufklärung

Das Thema Aufklärungsarbeit soll auch bei "Kardiologischen Fortbildungsseminaren" am Wochenende in Wien diskutiert werden. Zudem widmen sich unter anderem Experten der Berliner Charite der Herzmuskelentzündung als Ursache für HI, der Langzeitbetreuung von Patienten, der Organtransplantation als letztem Ausweg und der Therapie. Bei der medikamentösen Behandlung sind Ärzte und Ärztinnen auf Intensivstationen seit kurzem mit einem neuen Präparat erfolgreich: Levosimendan verbessert die Pumpkraft des Herzens, verringert die Symptome und senkt die Sterblichkeit, berichtete Heinz Weber vom Wiener Donauspital (SMZ Ost). (APA)

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    Die Herzen der ÖsterreicherInnen schlagen zunehmend schwächer.

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