Indien will Bevölkerungswachstum gegensteuern

22. Juli 2000, 18:44

Sonderfonds zur Förderung von Familienplanungs- Programmen

Neu Delhi - Indien will einen Sonderfonds zur Förderung von Familienplanungsprogrammen auflegen und so die Bevölkerungszahl binnen zwei Jahrzehnten stabilisieren. Wie Premierminister Atal Behari Vajpayee am Samstag in Neu-Delhi erklärte, soll eine Expertengruppe Programme für die Regionen des Landes - insbesondere im Norden - erstellen, in denen die meisten Menschen leben. Indien ist mit einer Milliarde Menschen nach China das bevölkerungsreichste Land. Sollte das Bevölkerungswachstum nicht abnehmen, leben in Indien nach Expertenansicht in 45 Jahren mehr Menschen als in China.

Nähere Einzelheiten zu dem Fonds oder zum Inhalt der Programme nannte Vajpayee nicht. Er rief die einzelnen Unionsstaaten aber dazu auf, den Menschen den Zugang zu Informationen über Verhütungsmittel und Kinderpflege zu erleichtern. Ferner müsse die Koordination zwischen Gesundheits-, Bildungs- und Entwicklungsprogrammen verbessert werden. Vajpayee äußerte sich vor der nationalen Bevölkerungskommission, der die Regierung in Neu-Delhi, die Regierungen der 31 Unionsstaaten und Territorien sowie nichtstaatliche Organisationen angehören.

Absenkung der Sterblichkeitsrate von Kleinkindern und Müttern

Die Bevölkerung auf einem für das Land tragbaren Niveau zu halten, sei eine Herausforderung, sagte Vajpayee. Doch sei dies die Voraussetzung für allgemeinen Wohlstand. Zu den vordringlichsten Zielen zähle die Absenkung der Sterblichkeitsrate von Kleinkindern und Müttern und die Bereitstellung von Verhütungsmitteln. Nach Angaben des Ministerpräsidenten stirbt in Indien eines von zehn Kindern vor Vollendung des fünften Lebensjahres; die Hälfte der Kinder unter vier Jahren sind unterernährt. 30 Prozent der Neugeborenen haben Untergewicht, und 60 Prozent der Frauen leiden an Blutarmut.

Indien hatte 1952 als erstes Land der Erde ein Familienplanungsprogramm verabschiedet, mit dem die Geburtenrate auf einem an "die Erfordernisse der Volkswirtschaft" angepassten Niveau stabilisiert werden sollte. Das Bevölkerungswachstum konnte seitdem jedoch nicht gestoppt werden. (APA)

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