Irgendwie ein Eiertanz

24. Juli 2000, 20:44

Österreich ist nach 0:5 gegen Frankreich wieder zweitklassig - Christian Hackl aus Rennes.

Nackt sind die Zahlen: Österreichs Daviscup-Team hat bis zum entscheidenden 0:3 gegen Frankreich keinen Satz gewonnen (0:9), nicht einmal ein Break ist geglückt (zur Beruhigung: Break-Chancen hat es schon gegeben). Die Franzosen gewannen 54 Games, die armen Österreicher lediglich 26. Am Sonntag war's dann schon egal. Stefan Koubek unterlag Jerome Golmard 4:6, 4:6, Jürgen Melzer verlor gegen Sebastien Grosjean 6:3, 3:6, 5:7, Endstand 0:5.

Die Folge ist die Rückkehr in die Zweitklassigkeit des Tennis, also in die Euro-Afrika-Zone. Gelost wird im September, der ÖTV erwünscht ein Heimspiel, damit das Pendel wieder raufschlägt. Und Geld in die Kasse kommt. "Kaum eine Nation ist vom Los so abhängig wie wir", sagte Captain Günter Bresnik. Und wies darauf hin, dass dies auch in Zeiten einer Nummer eins, eines Thomas Muster, der Fall gewesen sei. "Tennis ist Wiederholung. Ein Sampras kommt auch immer nach Wimbledon und holt sich den Sieg ab." Österreich holt sich eben Niederlagen ab. Auf Teppich im konkreten Fall und anderen harten Belägen irgendwo, irgendwann. Sand ist die rühmliche Ausnahme. Passiert ist in Rennes demnach nichts. Bresnik: "Tennis nach einer erwarteten Niederlage totzureden, ist absurd. Nur die totale Chancenlosigkeit war enttäuschend. Man überlegt ja auch als Außenseiter, wie man gewinnt. Und nicht, wie man verliert."

Der ÖTV war und ist gezwungen, auf Eiern zu tanzen. Medial wurde der Länderkampf, der immerhin zur Weltgruppe zählte, ziemlich ignoriert. Der ORF sendete praktisch nichts, es wurden dafür permanent Jingles über das heute in Kitzbühel beginnende Generali Open gezeigt. Mit dem Lokalmatador Markus Hipfl. Seine Sponsoren wird das gefreut haben. Die größten Tageszeitungen waren in Rennes auch nicht vertreten. Es ist natürlich eine Unterstellung, ihnen und dem staatlichen Fernsehen ein Naheverhältnis zu Ronald Leitgeb anzudichten. Auch wenn der in der allergrößten eine Kolumne schreibt.

Hipfls Fehlen

Das Argument, eine vorhersehbare Niederlage sei uninteressant, ist nur bedingt haltbar. Demnach wären 80 Prozent der Spiele des österreichischen Fußballteams zu ignorieren. Dieter Koller, Vizepräsident im Verband: "Wir können niemanden zwingen, die Wertigkeit des Daviscups anzuerkennen." Bresnik: "Ich persönlich brauche die Medien und die Öffentlichkeit nicht, das Tennis braucht sie schon."

Hipfl (Leitgeb) hat ja den Davis-cup ausgelassen, hat sich gedrückt. Trotz eines Vertrages. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hätte die Teilnahme am Ausgang nichts geändert (vielleicht 28 statt 26 Games), aber es sollte doch ums Prinzipielle gehen. Koubek hat sich immerhin gestellt. Dass er außer Form war, ist ein ganz anderes Problem. "Ich habe nicht vor, den Daviscup einmal nicht zu spielen." Märtyrer ist er trotzdem keiner, so 170.000 Schilling wird er in Rennes verdient haben. Koubek übersiedelt auf die Hartplätze in Nordamerika, Kitzbühel hat er vor Wochen gestrichen. Melzer hat es probiert und deshalb debütiert. Bresnik: "Er war logischerweise unerfahren." Das Doppel mit Thomas Strengberger und Julian Knowle war ebenso logischerweise ein Freipunkt für die Franzosen.

Bresnik wollte sich zum Fall Hipfl nicht wirklich konkret äußern, was historisch betrachtet verständlich ist. "Man kann niemanden zwingen, er hatte Gründe, der Verband hat keine Druckmittel. Ich halte aber viel von Loyalität und vom Zum-Wort-Stehen." Koller tat sich schwer, das Wort Vertragsbruch zu strapazieren. "Er war in einer sportlichen Notsituation, der Termin war wirklich schlecht. Es wäre sinnlos, Prozesse zu führen. Hipfl spielt ja gerne Daviscup." Generalsekretär Martin Reiter, der auch die Geschäfte im Pool führt, wurde deutlicher: "Es muss eine einmalige Situation gewesen sein."

Der ÖTV möchte selbst aktiv sein. Die Südstadt wurde wieder belebt, Jugendliche wie Wiespeiner, Ager, Kern oder Raditschnigg sollen ausgebildet, vermarktet und an den Verband gebunden werden. Das spart mühsame Verhandlungen mit Managern. Reiter, wohlwissend, dass es noch rechtliche Zweifel zu beseitigen gilt: "Ziel muss ein perfektes Programm sein. Die Jungen müssen den Traum haben, Daviscup zu spielen." Damit sich nicht alle Wiederholungen wiederholen. (Christian Hackl aus Rennes)

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