Poseidons Periskop

4. März 2007, 17:00
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Zum America's Cup zeigt man im Pariser "L'Espace Louis Vuitton" Fotos aus mehr als 100 Jahren rund um das wichtigste Segelereignis der Welt

Paris liegt jetzt am Meer. Gewissermaßen. Bis 16. April kann man nämlich an den Champs-Elysées, hoch über dem Shopping-Gewusel der Stadt, im "L'Espace Louis Vuitton" Seeluft der Extraklasse schnuppern.

Insgesamt acht Foto- und Videokünstler, darunter Haudegen der maritimen Fotografie wie Edwin Levick, Frank Beken oder der 1885 in Österreich geborene Morris Rosenfeld, setzen die Yachten der ältesten und prestigeträchtigsten Regatta der Welt in Szene. Wobei einem beim Rundgang durch die Schau flugs der Gedanke kommt, dass es ihnen diese Paläste der Winde nicht sonderlich schwer machten, denn betreffend maritimer Ästhetik können alle sieben Weltmeere lange nach Konkurrenz abgeschippert werden. Die legendären Yachten von der "Shamrock" bis hin zur "Rainbow", die im Rahmen der Ausstellung gezeigt werden, entpuppen sich so auch für Landratten zu absoluten Wow-Dingern.

Mordshetz für den Wind

Der Titel der Ausstellung "Winds and Sails" unter dem Dach von Louis Vuittons Flagship-Store legt den Schluss nahe, Wind und Segel würden wie von Natur aus partnerschaftlich koexistieren, und beim einen oder anderen Foto möchte man eingedenk des himmlischen Kindes glauben, der Wind habe tatsächlich eine Mordshetz daran, diese Meisterwerke des Bootsbaus über die See sausen zu lassen. Und Poseidon dürfte wohl auch während der einen oder anderen Wettfahrt entzückt durch sein Periskop gelugt haben.

In der Schau zeigen sich unter anderem großflächige Schwarz-Weiß-Aufnahmen der einstigen Königinnen der Meere mit prächtigen Segeln jenseits der 1000 Quadratmeter, für deren pralle Windfüllung zum Beispiel der britische Sir Thomas Lipton verantwortlich war. Fünf Mal hatte dieser zwischen 1899 und 1930 vergeblich versucht, den Cup den Amerikanern abzuluchsen, was ihm den Titel des "besten aller Verlierer" einbrachte. In der Ausstellung zu betrachten sind die perfekt designten Details einer so genannten J-Klasse-Yacht, die ein Edwin Levick aufs Fotopapier brachte, ebenso wie die mit allerlei fotografischen Schmähs komponierten, modernen Yacht-Bildnisse des Meeresfotografen Philipp Plisson, der über 220.000 Negative in Sachen Ozeanofotografie sein Eigen nennt und der sich, offiziell vom französischen Verteidigungsministerium abgesegnet, "Peintre de la Marine" nennen darf.

Unheimlich und surreal

Einen ganz anderen, luftigen Blickwinkel zeigt der Italiener Carlo Borlenghi, dem es gelingt, aus dem aufwändigen Trocknen eines Spinnakers eine Szene zu machen, die das Zeug zum surrealen Bühnenbild hat. Die Sehnsucht, die Schiffe auch in bewegter Action zu sehen, ohne dabei nass zu werden, befriedigt der Künstler Jean-François Julian auf beinahe unheimliche Weise. Eine gut 20 Quadratmeter große Leinwand, die zu einer leichten Kurve geformt ist, zeigt Filmaufnahmen einer Meeresoberfläche, die einen vermeintlichen Eindruck vom Ende der Welt vermittelt. Untermalt wird dieses "grand bleu", bei dem man fast Spundus bekommt vor dem, was da scheinbar unendlich wogt, von dumpfen Geräuschen. Durchbrochen wird es von kurzen Szenen, in denen die America's Cup-Yachten diese Wasserwelt wie Messer durchschneiden.

Der Präsident und das Meer

Wer lieber People schaut, kann sich in einen gelungenen Winkel zurückziehen, in dem J. F. Kennedy, selbst passionierter Segler, gezeigt wird, wie er 1962 mit gerunzelter Stirn den Start einer America's-Cup-Wettfahrt vor Newport verfolgt. Dazu ertönt die Ansprache des ehemaligen Präsidenten, in der er die Faszination des Meeres so erklärt: "Es ist ein interessanter biologischer Fakt, dass wir in unseren Venen denselben Prozentsatz Salz haben, der auch im Ozean zu finden ist, deshalb haben wir Salz in unserem Blut, in unserem Schweiß, in unseren Tränen ..."

Die Louis Vuitton-Hürde

Kuratiert wurde die Ausstellung von Bruno Troublé, einst selbst America's-Cup- Skipper im Dienste des legendären Baron Bich und Doyen der modernen Cup- Szene. Auftraggeber war der Luxuskonzern Louis Vuitton, der eng mit der Regatta verbandelt ist, werden doch die Vorausscheidungen zum Cup, also jene Regatten, die den alleinigen Herausforderer des vorangegangen Cup-Siegers ermitteln, Louis Vuitton Cup genannt.

Das Engagement des Konzerns geht dabei über schnödes Logo-Placement oder PR-Maßnahmen weit hinaus. Seit 24 Jahren gibt es diesen so genannten Louis Vuitton Cup, an seiner Erfindung war auch Troublé maßgeblich beteiligt. An diesem Wettbewerb führt kein Weg vorbei - wer die legendäre Silberkanne des America's Cup gewinnen will, muss erst diese Hürde packen. So wird diese Vorausscheidung im Prinzip fast zum nervenaufreibendsten Teil des Spektakels, das heuer von 18. April bis 12. Juni vor Valencia ausgetragen wird. Um die Wurst, um die sich dann also nur mehr zwei Yachten matchen, geht's dann vom 23. Juni bis 7. Juli, ebenfalls vor Valencia. Und für all jene, denen es noch niemand gesagt hat: Nach mehr als 150 Jahren findet der America's Cup erstmals wieder in Europa statt. (Michael Hausenblas/Der Standard/RONDO/2.3.2007)

Info: "Winds and Sails" " La Legende de l'America's Cup et de la Louis Vuitton Cup. Bis 16. April 2007; 60, Rue de Bassano 101, Avenue des Champs-Elysées, Paris; Louis Vuitton
America's Cup, Englisch

>>> Ansichtssache: America's Cup
  • Der begehrt Louis Vuitton Cup - an diesem Wettbewerb führt kein Weg vorbei.
    foto: carlo borlenghi

    Der begehrt Louis Vuitton Cup - an diesem Wettbewerb führt kein Weg vorbei.

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