US-Berater geben Krieg noch sechs Monate

20. März 2007, 11:48
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Angst vor zweitem Vietnam - Wiederaufbaukoordinator Carney kritisiert US-Politik nach Invasion: "inkompetent und dumm"

Washington/London/Bagdad - Die USA haben nach Einschätzung von amerikanischen Militärberatern nur noch sechs Monate Zeit, um den Krieg im Irak zu gewinnen. Das Expertenteam um den US-General David Petraeus warne vor einer rapiden Verschlechterung der Lage im Irak, die in einer Vietnam-ähnlichen Niederlage mit einem überstürzten Abzug der Truppen enden könnte, berichteten mehrere britische Zeitungen am Donnerstag.

Das Beraterteam, dem Militärexperten und Islam-Spezialisten angehörten, sehe vor allem in der ungenügenden Anzahl von Soldaten im Irak ein Sicherheitsrisiko. Trotz der Entsendung von mehr als 20.000 zusätzlichen US-Soldaten seien immer noch nicht genügend Bodentruppen im Irak, um die Aufständischen zu besiegen. Das sei vor allem für die Hauptstadt Bagdad der Fall. Das Expertenteam habe außerdem vor einer Auflösung der internationalen Koalition gewarnt, sowie einer Zunahme von Gewalt im Süden des Landes, wo in den nächsten Monaten 1600 britische Soldaten abgezogen werden sollen.

Bei Gefechten südlich von Bagdad sind am Donnerstag mindestens acht Menschen getötet und elf verletzt worden. Polizisten sagten, Aufständische und Polizisten seien in der Stadt Iskandarija zusammengestoßen. Auf beiden Seiten habe es Opfer gegeben. Iskandariya ist eine religiös gemischte Stadt. Die Auseinandersetzungen zwischen Sunniten und Schiiten im Irak haben bürgerkriegsähnliche Zustände angenommen.

Inkompetente US-Politik

Der US-Koordinator für die Wiederaufbauhilfe im Irak, Timothy Carney, hat die Politik seines Landes im ersten Jahr nach dem Sturz von Saddam Hussein als "inkompetent und dumm" kritisiert. Hauptfehler sei damals gewesen, keine Iraker in die Regierungsarbeit einzubinden, sagte er am Mittwoch (Ortszeit) im US-Hörfunksender NPR. Die falsche Vorstellung, das Land allein regieren zu können, habe den Konflikt in die Länge gezogen und viele Menschenleben gekostet. Saddam Hussein war im Frühjahr 2003 gestürzt worden.

Als er den Irak Mitte Juni 2003 verlassen habe, sei es - zumindest in Bagdad - ohne weiteres möglich gewesen, mit dem Auto herumzufahren oder ins Restaurant zu gehen, fügte Carney hinzu. Bei seiner Rückkehr im Februar 2007 sei die Sicherheitslage dagegen "entsetzlich" gewesen. Die USA hätten jetzt aber noch eine Chance, ihre Ziele im Irak zu verwirklichen. Carney, der unter anderem Botschafter in Haiti und im Sudan war, arbeitete nach der US-Invasion im Irak drei Monate als Berater im Industrieministerium in Bagdad. Auf seinen Posten als Koordinator für die Wiederaufbauhilfe wurde er im Jänner berufen. (APA/dpa/Reuters)

  • US-General David Petraeus (rechts)
    foto: epa/chris hondros

    US-General David Petraeus (rechts)

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