Musikunis: Kritik des Rechnungshofs an Vorbereitungslehrgängen

1. März 2007, 09:15
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Hoher finanzieller Aufwand bei geringer Erfolgsquote - RH empfiehlt Begrenzung der Studiendauer und Definition und Überprüfung von Qualitätsstandards

Wien - Die Vorbereitungslehrgänge an den Musikunis in Wien, Graz und Salzburg kosten die Unis viel, bringen aber wenig. Zu diesem Schluss kommt der Rechnungshof in einem heute, Mittwoch, dem Parlament vorgelegten Bericht. Für einen erfolgreichen Studienabschluss ist das Absolvieren eines Vorbereitungslehrgangs kaum relevant. Kritisiert werden u.a. mangelnde Qualitätsstandards und Leistungsüberprüfungen.

Geringe Abschlussquote

Der Rechnungshof hat die Gebarung der drei österreichischen Musikunis zwischen Dezember 2005 und April 2006 überprüft. Nur etwas mehr als ein Drittel der 1995/96 gemeldeten Besucher eines Vorbereitungslehrgangs absolvierte demnach anschließend erfolgreich eine Zulassungsprüfung zu einem künstlerischen Studium, die wahrscheinliche Studienabschlussquote beträgt lediglich zehn Prozent.

Umgekehrt waren durchschnittlich rund 90 Prozent der Absolventen der Zulassungsprüfung bzw. des ordentlichen Studiums in den Studienjahren 2002/03 bis 2004/05 ohne einen Vorbereitungslehrgang erfolgreich. Dem standen im Studienjahr 2004/05 für die Unis Kosten in Höhe von rund 0,75 (Mozarteum), 0,96 (Graz) bzw. 1,34 Mio. Euro (Wien) für die Vorbereitungslehrgänge gegenüber, die für Studierende gebührenfrei sind.

Hohe Studiendauer

Neben der grundsätzlichen Relativierung der Bedeutung der Vorbereitungslehrgänge betrifft die Rechnungshof-Kritik insbesondere die Studiendauer an diesen, die zum Teil fast das Doppelte der Regelstudiendauer des einschlägigen Instrumentalstudiums erreichte. So kamen im Studienjahr 1995/96 im Fach Klavier rund 24 Prozent der Wiener und 14 Prozent der Salzburger Lehrgangsbesucher auf eine Verweildauer von über zehn Jahren, ein Fall am Mozarteum gar auf 13 Jahre. Wobei der Rechnungshof auch hier keinen Zusammenhang zwischen der Studiendauer bzw. dem Eintrittsalter im Vorbereitungslehrgang und einem erfolgreichen regulären Studien-Abschluss erkennen kann.

Mangelhafte Leistungsbeurteilung

Als "erheblichen Mangel" kritisiert der Bericht weiters u.a. das Fehlen einer kontinuierlichen Leistungsbeurteilung. In Wien würden die Studienpläne weder spezifische Zielbestimmungen noch Regelungen für die Leistungsüberprüfung enthalten, in Salzburg würden letztere nur lückenhaft durchgeführt.

Empfehlungen

Die Studiendauer der Vorbereitungslehrgänge wäre grundsätzlich auf maximal vier Jahre zu begrenzen, empfiehlt der Rechnungshof. Angeregt wird auch die Möglichkeit, Deckungsbeiträge dafür zu erwirtschaften. Weiters sollten hinsichtlich einer notwendigen Frühförderung Kooperationen mit Musikschulen und Konservatorien gesucht bzw. die Frühförderung dorthin verlagert und die universitäre Vorbildung auf Hochbegabte beschränkt werden.

Dem Wissenschaftsministerium empfiehlt der Rechnungshof, bei den Verhandlungen über die Leistungsvereinbarungen im Bereich der Vorbereitungslehrgänge auf die Definition klarer Zielsetzungen, die Festlegung strengerer Leistungsmaßstäbe und die Einführung eines entsprechenden Qualitätssicherungssystems zu achten. (APA)

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