Blogger sieht sich als Zensur-Opfer

8. März 2007, 11:23
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Nach zahlreichen Privatanzeigen deaktiviert Twoday polizeikritischen Blog

Seit dem 19. Februar ist der Polizei- und Gerichtsblog "Gerichtlive" - vormals "Blaulicht und Graulicht" - , der auf dem Bloghoster twoday.net registriert ist, deaktiviert. Laut Blogbetreiber Marcus J. Oswald ohne ausreichende Angaben von Gründen des Anbieters. Oswald, dessen Beiträge die österreichische Polizei und Justiz im Visier haben, sieht sich als Opfer von Interessen, die gegen ihn wirken und ihn mundtot machen wollten. "Gegen die Blogseiten von Herrn Oswald gibt es ständig Beschwerden und Klagsandrohungen. In so einem Fall blockieren wir die Seite, solange der Streitfall nicht geklärt ist", erklärt Dieter Rappold, Geschäftsführer der Agentur Knallgrau, die twoday betreibt, im pressetext-Gespräch.

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Gegen Marcus J. Oswald sind in der Vergangenheit zahlreiche Anzeigen von Privatpersonen in Zusammenhang mit seinen Webseiten eingegangen, wie ein Sprecher der Wiener Staatsanwaltschaft gegenüber pressetext bestätigt. Oswald betont in seinem jüngsten Beitrag auf einem neu eingerichteten Blog auf Twoday die große Reichweite seines Blogs. Von Oktober 2006 bis zur Deaktivierung am 19. Februar 2007 soll es laut Oswald zwischen 15.500 und 17.500 Seitenaufrufe in der Woche gegeben haben. Laut Rappold eine unrealistische Zahl. "Wir können diese Zahl nicht nachvollziehen. Unter den Blogs mit den höchsten Zugriffszahlen ist Herr Oswald nicht zu finden", so Rappold. "Außerdem", so Rappold weiter, "habe man dem Blogger die Gründe für die Deaktivierung genannt". Oswald, der in einem Blogeintrag das Gegenteil behauptet, war für eine Stellungnahme gegenüber pressetext nicht zu erreichen.

Aushebung

Angeblich soll Oswald zeitweise auch ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten sein und die Aushebung seiner Daten verlangt haben. Aus den Blog-Einträgen geht hervor, dass Oswald Beobachter zahlreicher Gerichtsverhandlungen ist. "Das ist einer, der sich kein Blatt vor den Mund nimmt. Die Schließung seines Blogs kommt einer Zensur gleich", empört sich ein regelmäßiger Leser des Blogs. Aber auch belustigende Blogeinträge sind über den "selbsternannten Polizeijournalisten", wie ihn ein anderer Blogger bezeichnet, im Netz zu finden. Innerhalb der Staatsanwaltschaft ist der Urheber des Gerichtlive-Blogs, der über die Dinge so berichte, wie sie "nicht in den Familienzeitungen der Micky-Maus-Republik Österreich kommuniziert werden", bekannt. Allerdings gibt man sich dort gelassen. "Die Seite interessiert nur Menschen, die so denken wie Herr Oswald, und jene, über die er schreibt - also Richter, Staatsanwälte und Polizisten", so ein Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft. (pte)

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