Claus Peymann verteidigt Christian Klar

8. März 2007, 18:03
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Angebot des Berliner Intendanten, dem RAF-Veteranen mit einem Praktikum zu helfen, wird Parteipolitikum

Berlin - Der Intendant des Berliner Ensembles, Claus Peymann, hat die umstrittenen kapitalismuskritischen Äußerungen des deutschen Ex-Terroristen Christian Klar verteidigt. "Das sind auch meine Ansichten", sagte Peymann der Berliner Tageszeitung "taz". Peymann erneuerte sein Angebot, Klar nach dessen Freilassung ein Praktikum als Bühnentechniker am Berliner Ensemble zu ermöglichen. "Wir haben uns das gut überlegt und mit dem Betriebsrat beschlossen, dass Klar eine Chance bekommen könnte."

In seinem Grußwort an die Berliner Rosa-Luxemburg-Konferenz spreche Klar das aus, was der weitaus größte Teil der Weltbevölkerung außerhalb von Westeuropa und Amerika denke, sagte Peymann. "Es kann ja nicht sein, dass dieses kapitalistische System von Korruption und Verantwortungslosigkeit der Weisheit letzter Schluss ist." Wer einen halbwegs klaren Kopf habe, der wisse, dass dieses System geändert werden müsse.

Schon im September 1977 hatte es vor dem Hintergrund der Entführung des deutschen Arbeitgeberpräsidenten Hans Martin Schleyer politischen Wirbel um Peymann gegeben, weil dieser drei Monate zuvor zu Spenden für die zahnärztliche Behandlung von Baader-Meinhof-Häftlingen aufgerufen hatte. Peymann verzichtete daraufhin auf eine Verlängerung seines Vertrages als Leiter des Stuttgarter Schauspielhauses.

Besserungsanstalt

Die CDU hat den Intendanten des Berliner Ensembles, Claus Peymann, wegen dessen Verteidigung des ehemaligen RAF-Mitglieds Christian Klar scharf kritisiert. "Dass Peymann für diesen RAF-Terroristen Partei ergreift und unsere Grundordnung als korrupt und verantwortungslos bezeichnet, ist ein absolut unwürdiges Schauspiel", erklärte der Berliner CDU-Generalsekretär Frank Henkel am Donnerstag. Henkel erklärte zu Peymanns Angebot, Berlins Regierender Bürgermeister und Kultursenator Klaus Wowereit (SPD) müsse sich fragen, ob Peymann noch tragbar sei. "Das Berliner Ensemble ist jedenfalls keine Besserungsanstalt für RAF-Terroristen", erklärte der CDU-Politiker.

Die deutschen Grünen haben Peymann, gegen Kritik wegen dessen Verteidigung in Schutz genommen. Der Geschäftsführer der Grünen-Fraktion im Bundestag, Volker Beck, sagte der "Netzeitung" am Donnerstag, er "habe das Gefühl, dass einige Konservative bei der Diskussion um die Begnadigung von Christian Klar in die ideologisch verbohrte Rhetorik der bleiernen Zeit zurückverfallen".

Grünen-Politiker Beck nannte die Vorwürfe der CDU an Peymann absurd. "Es kann doch keinem Arbeitgeber vorgeworfen werden, wenn er einem aus der Strafhaft Entlassenen eine berufliche Perspektive bietet und damit zur Resozialisierung beiträgt", sagte Beck. Peymann hatte die umstrittenen kapitalismuskritischen Äußerungen von Klar verteidigt. "Das sind auch meine Ansichten", sagte Peymann in einem Interview. Er bot Klar erneut auch ein Praktikum an.

CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla griff Peymann in einer Erklärung am Donnerstag scharf an: Die Unterstützung der wirren Thesen von Christian Klar aus dem Gefängnis könne offensichtlich nur eine Ursache haben: Peymann müsse sich intellektuell selbst Jahrzehnte weggesperrt haben. "Die Einlassungen von Peymann sind abscheulich und respektlos gegenüber den Opfern und Angehörigen des RAF-Terrors", sagte Pofalla. (APA/AP/dpa)

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    Peymann und Klar

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