Gefahren für die ISS erörtert

11. März 2007, 17:42
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Kommission empfiehlt eine Verstärkung der Schutzhülle - Einsatz des neuen NASA-Raumfahrzeugs Orion verzögert sich

Washington - Eine unabhängige Expertenkommission sieht erhebliche Gefahren für die Internationale Raumstation (ISS), die katastrophale Folgen haben könnten. Die größten Sicherheitsrisiken sind eine Kollision mit einer andockenden Raumfähre, Beschädigungen durch einen Roboterarm, ein Feuer an Bord sowie ein Angriff von der Erde, heißt es in dem in Cape Canaveral in Florida vorgelegten Bericht der Kommission an den US-Kongress und die US-Raumfahrtbehörde.

Als Schutz vor Weltraummüll oder kleinen Meteoriten schlagen die Experten eine Verstärkung der Schutzhülle vor, damit die Wände der Raumstation nicht durchschlagen werden können. Der derzeitige Zustand der ISS, die bisher zur Hälfte ausgebaut ist, wird von den Experten als "stabil und gesund" beschrieben.

Versorgung?

Darüber hinaus machen sich die Experten Sorgen, wie die Nasa die Raumstation versorgen wird, nachdem die Space-Shuttle bis Ende 2010 ausgemustert worden sind. Die Situation könnte so kritisch werden, dass entweder die Zahl der Langzeitastronauten auf der ISS gekürzt oder Teile der ISS wie Laboratorien aufgegeben werden müssten.

Startverschiebung

Indessen wurde bekannt, dass sich der erste bemannte Raumflug mit dem neuen Raumfahrzeug Orion um mehrere Monate verschiebt, weil der US-Raumfahrtbehörde NASA mehrere hundert Millionen Dollar fehlen. Das Projekt werde nicht vor Anfang 2015 starten, sagte NASA-Chef Michael Griffin. "Wir haben das Geld einfach nicht", erklärte er. Der Kongress hatte der NASA für dieses Jahr die gleiche Summe wie im vergangenen Jahr bewilligt, das sind allerdings 545 Millionen Dollar (413 Mio. Euro) weniger als von Präsident George W. Bush beantragt. Die Raumfahrtexperten verlangen in dem Bericht zur ISS-Lage hingegen von der Nasa und der US-Regierung, das Orion-Programm weitaus aggressiver anzugehen. Damit kämen auf die Nasa zusätzliche Kosten von einer Milliarde Dollar (rund 760 Millionen Euro) pro Jahr ab 2010 zu.

Das neue Raumfahrzeug soll die schon betagte Shuttle-Flotte ablösen und Astronauten wieder zum Mond und später auch zum Mars bringen. Die Space Shuttles sollen 2010 ausgemustert werden. Die Lücke zwischen ihrer Stilllegung und dem Orion-Jungfernflug schaffe praktische und strategische Probleme, weil die Astronauten aus der Übung kämen, erklärte Griffin.

Hintergrund

Die Internationale Raumstation ist ein gemeinsames Projekt der USA, Russlands und anderer internationaler Partner. Das Forschungszentrum im All kostete bisher rund 100 Milliarden Dollar (75,7 Milliarden Euro). Die ersten zwei Module der Station wurden 1998 im All zusammengebaut. Im November 2000 betraten die ersten drei Astronauten die Raumstation. (APA/AP/dpa)

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