Markthalle bleibt noch ein Jahr

29. März 2007, 19:30
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Keine Einsprüche bei Bauverhandlung - In der Schließung sieht die ÖVP einen Anschlag auf die Nahversorgung und das Kleinunternehmertum

Die Bauverhandlung für den Bahnhof Wien-Mitte wurde am Mittwoch positiv abgeschlossen, mit dem Bau wird bald begonnen.

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Wien – Das Erscheinungsbild des Bahnhofes Wien-Mitte ist ein trostloses: Die große, heruntergekommene Eingangshalle macht mit ihrer grau-verstaubten und tristen Atmosphäre keinen guten Eindruck, die Gänge sind dunkel, die Luft riecht nach kaltem, abgestandenem Rauch und Urin. Dass die Bauverhandlungen zum neuen Bahnhof am Mittwoch positiv abgeschlossen wurden und keine Einsprüche erfolgt sind, ist also kein Wunder. "Wir gehen davon aus, dass das Projekt jetzt auf Schiene ist", sagte ein Sprecher des zuständigen Stadtrates Michael Ludwig. Es seien noch kleine Planadaptierungen notwendig, doch die wolle der Bauträger in den kommenden sieben Tagen abschließen. Zu diesen gehören Brandschutzbestimmungen oder Zugänge zur Markthalle, sagte Rudolf Zebrana (SP), stellvertretender Bezirksvorsteher des 3. Bezirkes.

Die Flächenwidmung basierte noch auf einem anderen Projekt, erklärte er. Nachdem die Änderungen vorgenommen wurden, müsse nochmals die Baupolizei entscheiden, die zügige Arbeit zugesagt habe. Voraussichtlich bereits zwei Wochen später wird der Bauausschuss des Bezirks Landstraße über das Projekt befinden. Nach dessen Zustimmung dauere es noch weitere zwei Wochen, bis der Baubescheid ausgestellt wird. Dem neuen Bahnhof steht dann nichts mehr im Weg, große Änderungen werden aber erst ab Herbst sichtbar, sagte Zebrana. Dann wird das Blaue Haus bei der Brücke abgerissen.

Der Bauträger, die Wien-Mitte GmbH, hatte vor kurzem verkündet, dass für den Bau die U4 gesperrt werden müsse, doch das fand keine Zustimmung. Es müsse auch anders gehen, sagte Zebrana.

Ein Jahr Markthalle

In der Schließung der Markthalle sieht die Wiener ÖVP einen Anschlag auf die Nahversorgung und das Kleinunternehmertum. Die Landstraßer Markthalle werde "mit Sicherheit noch ein Jahr bestehen bleiben", es würden noch Gespräche mit den Standbetreibern geführt, hielt Zebrana dagegen. Es soll verhandelt werden, in welcher Form der Markt weitergeführt werden soll, denn es sei im Interesse des Bezirkes, dass die Nahversorgung vorhanden sei. Die Fertigstellung des neuen Bahnhofes ist für 2011 geplant. Im 350 Millionen Euro teuren Projekt ist ein 36 Meter hoher Überbau und ein 70 Meter hoher Hotelturm geplant. Ursprünglich hätte das Hotel 97 Meter hoch sein sollen, doch das Weltkulturerbe-Komitee der Unesco hatte interveniert.(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 01.03.2007)

  • Der neue Bahnhof im 3. Bezirk wird 2011 fertig sein. Die Markthalle werde „mit Sicherheit noch ein Jahr bleiben“, verspricht der Bezirk
    foto: bar/ architekten wien mitte

    Der neue Bahnhof im 3. Bezirk wird 2011 fertig sein. Die Markthalle werde „mit Sicherheit noch ein Jahr bleiben“, verspricht der Bezirk

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