Qualität statt Verpackung

1. März 2007, 13:58
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Das Gustav Mahler Jugendorchester bei den Salzburger Osterfestspielen

Wenn das Gustav Mahler Jugendorchester auch heuer wieder in Salzburg Station macht, befindet es sich genau auf halber Strecke seiner Frühjahrstournee, die es von Bozen unter anderem über Paris und Wien nach Madrid und Lissabon führt. Bis zu ihrer zweiten Tournee dieses Jahres im Sommer werden einander die jugendlichen Musikerinnen und Musiker dann noch besser kennen gelernt haben, noch enger zusammengeschweißt sein. Bis dahin ist es freilich nicht nur musikalisch ein weiter Weg, denn die Orchestermitglieder kommen aus allen Winkeln Europas, und in jeder Saison gibt es neue Gesichter.

Die geografische Distanz zum Wiener Büro und den anderen drei Residenzen Bozen, Paris und München, in denen alternierend geprobt wird, wird den zwischen 16- und 26-jährigen Anwärtern auf einen der begehrten Orchesterplätze allerdings zunächst von den Organisatoren abgenommen - um Kosten zu sparen, aber auch mit dem Nebeneffekt, dass die Schwelle niedrig gehalten wird und sich auch weniger Wohlhabende den Probespielen stellen können.

Jahr für Jahr reist eine durch den Orchestergründer Claudio Abbado akkreditierte hochkarätige Jury zu Auditions in über 25 europäische Städte mit insgesamt bis zu 1500 Bewerbern für ein 120- bis 130-köpfiges Ensemble. "Wir könnten jedes Jahr drei Orchester aus sehr guten Leuten bilden", erzählt GMJO-Generalsekretär Alexander Meraviglia-Crivelli. "Deswegen haben wir ganz klare Kriterien. Wer bereits im Orchester ist, hat keine Garantie für das nächste Jahr, wenn jemand Besserer kommt - das ist ganz klar, hart, aber völlig transparent. Es gibt keine Länderquoten, keinerlei Einflussnahme."

Und mit einigem Selbstbewusstsein betont der Manager, dass Stars wie Seiji Ozawa, Kent Nagano oder Franz Welser-Möst mit dem GMJO bei den Osterfestspielen debütiert haben, und fügt hinzu: "Spitzendirigenten arbeiten deswegen mit uns, weil sie wissen, dass das Niveau stimmt. Es ist uns wichtig, dass Good Will alleine bei uns keine Rolle spielt, denn scheinbar gibt es Orchester, bei denen die Botschaft und die Verpackung schwerer wiegen als die Qualität."

Viele Jugendorchester-Projekte hätten ihre Meriten, "aber wir unterscheiden uns schon dadurch von diesen, dass wir einzig der Qualität und der Talenteförderung verpflichtet sind und nicht vorrangig mit außermusikalischen Inhalten assoziiert werden."

Wenn schon die alljährlich zwischen Oktober und Weihnachten stattfindenden Probespiele - die zudem anhand von Video-Aufnahmen zusätzlich ausgewertet werden, um auf Nummer sicher zu gehen - einen ausgeklügelten Zeitplan erfordern, ist der Ablauf der Proben um nichts weniger diffizil - gilt es doch, eine klangliche Identität des Klangkörpers zu formen.

In den zwei Wochen intensiver Arbeit, in denen sich das Orchester auf Tourneen vorbereitet, arbeiten Dozenten aus Spitzenorchestern mit den Instrumentengruppen anhand des Repertoires am Klang. Gleichzeitig koordiniert ein Assistent erste Tutti-Proben. Nach etwa einer Woche trifft der Maestro ein. "Er findet ein interpretatorisch noch jungfräuliches Orchester vor, kann das, was er vorfindet, zum Edelstein schleifen." Und wie sieht es im GMJO mit der Frauenquote aus? "Sie liegt bei über 50 Prozent. Frauen sind meist fleißiger, besser vorbereitet. Wir hatten junge Frauen in jeder Position, jeder: etwa eine Solo-Paukistin, Solo-Trompeterin oder Solo-Posaunistin, die alle in Profi-Orchester engagiert wurden."

"Es ist überhaupt unser schönster Erfolg, wie viele unserer Exmitglieder sich in Spitzenorchestern wiederfinden. Wir pflegen auch mit Profi-Orchestern Kooperationen und Kontakt über Probespiele und Vakanzen, wie mit dem Concertgebouworkest oder dem Deutschen Symphonie-Orchester. Auch mit der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker gibt es eine enge Zusammenarbeit. Denn es geht uns darum, den Musikern Türen zu öffnen." (Daniel Ender/ SPEZIAL/ DER STANDARD, Printausgabe, 01.03.2007)

8. April, 11 Uhr
Großes Festspielhaus

href="http://www.gmjo.at" target="_blank">Gustav Mahler Jugendorchester
  • Das Jugendorchester kann sich über Besuch arrivierter Dirigenten, wie heuer Myung-Whun Chung, freuen.
    foto: gmjo

    Das Jugendorchester kann sich über Besuch arrivierter Dirigenten, wie heuer Myung-Whun Chung, freuen.

  • Manager Alexander Meraviglia-Crivelli.
    foto: gmjo

    Manager Alexander Meraviglia-Crivelli.

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