Fed-Chef Ben Bernanke beruhigt US-Börsen nach China-Schock

20. März 2007, 13:34
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In Schanghai hat sich die Börse nach dem Kursrutsch etwas erholt, so auch die US-Börsen. In Europa notieren die Märkte nach wie vor im Minus

Wien – Nach dem von der Börse in Schanghai ausgelösten Kurseinbruch in Asien und den USA_herrschte auch am Mittwoch noch viel Unsicherheit an den Märkten. Die US-Börsen haben am Mittwoch wieder Gewinne verbucht. Vor allem zuversichtliche Äußerungen von US-Notenbankchef Ben Bernanke verhalfen den drei wichtigsten US-Aktienindizes vorübergehend zu einem Plus von mehr als einem Prozent. Bernanke hatte nach dem überraschenden Kurssturz vom Vortag seine Wachstumsprognose für die Wirtschaft der Vereinigten Staaten bekräftigt und die Panikverkäufe als unbegründet bezeichnet. Der Dow Jones schloss 0,43 Prozent fester, der S&P 500 legte 0,56 Prozent zu und die Technologiebörse Nasdaq schloss 0,34 Prozent fester.

Die europäischen Börsen haben hingegen einheitlich im Minus geschlossen. Die größten Abschläge mussten die Börsen in Amsterdam (minus 2,02 Prozent), Stockholm (minus 1,90 Prozent) und Brüssel (minus 1,87 Prozent) hinnehmen. Der Dax in Frankfurt schloss um 1,53 Prozent schwächer, der FTSE-100 in London fiel um 1,82 Prozent. Der Euro-Stoxx-50 gab im Verlauf 1,67 Prozent ab.

Der ATX, Leitindex der Wiener Börse, erholte sich wieder einigermaßen und schloss 0,85 Prozent leichter. "Die Stimmung ist jetzt deutlich besser", berichtete ein Aktienhändler. Die angestiegenen US-Futures und die Erholung in Schanghai, die ihre Verluste wieder deutlich reduziert hat, interpretieren Experten als mögliche Stabilisierung der Märkte. "Mit der Aussage, in China würden politische Interventionen drohen, um den Investitionsboom zu bremsen, wurden die Weltmärkte verunsichert", erklärt Monika Rosen vom Asset Management der BA-CA. Chinas Börse müsse erst lernen, wie Kommunikation die Märkte beeinflussen kann. Dass die Börse in Hongkong den Kursrutsch nicht in hohem Maße mitgemacht hat, liegt laut Rosen daran, dass der dortige Markt viel besser entwickelt sei. China spiele im Moment eine heikle Rolle. Rosen: "Bei den Rohstoffen ist China das Zünglein an der Wage und die Branche fürchtet sich schon lange vor einem Rückgang des Wachstums und einer Sättigung beim Rohstoffboom."

Die Nervosität der Amerikaner resultiert auch aus der Verunsicherung wegen der Hypothekarkredite. Laut BA-CA-Expertin Rosen haben zuletzt viele Finanzinstitute angekündigt, die Konditionen bei der Kreditvergabe deutlich zu straffen. Rosen: "Die Befürchtung, die lange in den USA geherrscht hat, dass nämlich die erhöhten Zinsen auf die Kredite durchschlagen, ist jetzt eingetreten." Auf diese Entwicklung haben viele Aktien reagiert. Die Nervosität am US-Immobilienmarkt nimmt zu. Dieser ist wiederum ein starker Indikator für die US-Konjunktur und vor allem für das Konsumverhalten. Die Aktie des Finanzinstituts NovaStar etwa hat vorige Woche bereits 40 Prozent verloren. Die Finanzsparte von General Motors sei zuletzt deutlich unter Druck. Generell sahen Händler den jüngsten Rumpser nicht als Trendwende, sondern als seit Wochen erwartete Korrektur. "In gewisser Weise war diese Ernüchterung durchaus gewünscht", betonte Norbert Walter, Chef-Volkswirt der Deutschen Bank – überrascht von der Wucht des Einbruchs. Rosen: "Wenn es kommt, dann immer dick." (bpf, Reuters, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 01.03.2007)

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