USA richten sich auf Bleiben ein

20. März 2007, 11:48
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Pentagonchef Gates: US-Truppen werden für eine "längere Periode" - Vergleich mit Deutschland und Südkorea

Die USA werden nach Einschätzung ihres Verteidigungsministers Robert Gates noch auf Jahre hinaus im Irak militärisch präsent sein. Vor dem Senat in Washington sprach Gates in der Nacht zum Mittwoch von einer "längeren Periode", in der US-Soldaten im Zweistromland bleiben werden. Zum Vergleich zog er Deutschland und Südkorea heran, wo die Vereinigten Staaten seit dem 2. Weltkrieg beziehungsweise dem Koreakrieg (1950-1953) Stützpunkte unterhalten. Das Kontingent im Irak werde viel kleiner sein als das jetzige, sagte Gates. "Ich glaube aber, dass wir, auf deutlich reduziertem Niveau, dort in irgendeiner Form präsent bleiben werden."

Unterdessen verdichten sich die Anzeichen, dass das Weiße Haus ernsthaft an einem Dialog mit Iran und Syrien feilt. Im März soll in Bagdad ein Treffen auf Beamtenebene stattfinden, zu dem Abgesandte aus Damaskus und Teheran ebenso eingeladen sind wie Emissäre aus Washington. Für April sind dann Gespräche der Außenminister Irans, Syriens und der USA geplant, wahrscheinlich im Rahmen einer nahöstlichen Regionalkonferenz. Als möglicher Tagungsort gilt Istanbul.

"Wichtige Dimension"

Bereits im Dezember hatte die Iraq Study Group, geleitet von dem Republikaner James Baker, einem Ex-Außenminister, und dem Demokraten Lee Hamilton, zum Dialog mit Damaskus und Teheran aufgerufen. Wochenlang sah es so aus, als würde die Mannschaft George W. Bushs die Empfehlung in den Wind schlagen. Nun aber räumt Außenministerin Condoleezza Rice eine vorsichtige Kurskorrektur ein. Baker und Hamilton hätten die Politik der Administration um "eine wichtige Dimension" bereichert, sagte Rice. Sie wisse nicht, ob Iran und Syrien die Einladung zu dem Bagdader Treffen bereits angenommen hätten, "aber wir werden auf alle Fälle dort sein".

Kenner Washingtoner Machtbalancen nehmen die angepeilte Gesprächsrunde als Beleg dafür, dass sich die Waage allmählich zugunsten der realpolitischen Fraktion um Rice neigt. Vizepräsident Dick Cheney, führender Hardliner der Regierungsriege, steht einem Dialog, speziell mit Teheran, eher skeptisch gegenüber und setzt vorrangig auf militärischen Druck. Um Iran am Erwerb von Atomwaffen zu hindern, lägen "alle Optionen auf dem Tisch", hatte Cheney erst vor wenigen Tagen unterstrichen. (Frank Herrmann aus Washington/DER STANDARD, Printausgabe, 1.3.2007)

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    Wollen im Irak bleiben: Generalstabschef Peter Pace und Pentagonchef Robert Gates

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