Das touristische Phantom

2. März 2007, 09:32
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Graz demontiert und verkauft Kunst-Lift, preist ihn aber weiter als Attraktion an

Graz – Graz hat viel zu bieten: neuerdings auch ein Phantom. Die Stadt wirbt mit einem längst verkauften Kunstwerk als Touristenattraktion. Im Frühjahr wird eines der letzten Kunst-Dokumente des Kulturhauptstadtjahres 2003 abmontiert: der "Marienlift" des Medienkünstlers Richard Kriesche. Das Kunstwerk rentiere sich nicht mehr, argumentierte SP-Finanzstadtrat Wolfgang Riedler, es wurde ohne Kriesches Wissen an die Stadt Hartberg verkauft.

Aber so ganz trennen will sich die Stadt denn doch nicht von ihrem schon zum Wahrzeichen gewordenen Kunstlift. Im Tourismus-Folder 2007 wirbt Graz nun mit einer besonderen Attraktion: dem "Marienlift" – Touristen werden ihn vergeblich suchen. Kriesche resigniert: "Auf der einen Seite wird der Lift im Auftrag der Stadt abgetragen und auf der anderen Seite wirbt die Stadt mit ein und demselben Kunstwerk für touristische Kundschaft. Es zeigt sich hier eben einmal mehr die Unfähigkeit und das Desinteresse der politischen Klasse an einem zivilisierten Kunstdiskurs." (mue, DER STANDARD Printausgabe 1.3.2007)

  • Das Kunstwerk "Marienlift" wirkt als Phantom in der Tourismuswerbung weiter.
    foto: standard/ stadt graz

    Das Kunstwerk "Marienlift" wirkt als Phantom in der Tourismuswerbung weiter.

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