Auf der Suche nach "sexy Begriffen" für Schröder

29. Juli 2000, 10:01

Alexandra Föderl-Schmid aus Berlin


Mathias Bucksteeg ist Gerhard Schröders Berater und gerade auf der Suche nach einem neuen Begriff für die Politik des deutschen Bundeskanzlers, denn: "Der Dritte Weg ist wegen der Auseinandersetzung von Oskar Lafontaine und Schröder darüber kontaminiert, die Neue Mitte wurde im Wahlkampf ausgeraubt." Das Schlagwort Zivilgesellschaft hat der frühere Unternehmensberater in einer Umfrage abtesten lassen. Doch 74 Prozent der Befragten verstanden darunter die Reform der Bundeswehr. "Das kann man also vergessen."

Jetzt experimentiert der mit 34 Jahren jüngste Referatsleiter im Kanzleramt, der den Bereich "Politische Analyse" leitet, mit dem Begriff "aktivierender Staat". Inzwischen sei er aber nicht mehr so sicher, "ob wir einen neuen Begriff brauchen". Die Deutschen wüssten inzwischen, dass es eine neue SPD gebe, und assoziierten diese mit Schröder.

Das Problem sei, dass mit der Sozialdemokratie stets Werte verbunden gewesen seien wie Gerechtigkeit. "Wir haben aber alle Emotionen verloren, denn unsere jetzigen Aufgaben sind Dinge wie Haushaltskonsolidierung. Wir müssen uns an einem Programm abarbeiten, das nicht sexy ist." Dafür sexy Begriffe zu finden sei schwierig.

Obwohl Bucksteeg die im Juni in Berlin abgehaltene Konferenz von Linksregierungen mitorganisiert hat, sieht er einen Trend zur Renationalisierung. "So etwas wie die Sozialistische Internationale wird es nie wieder geben." Man könne sich austauschen, Probleme müssten individuell gelöst werden.

Schulmeister Blair

Er sieht auch "mit ein bisschen Schadenfreude", dass der Stern des britischen Premiers Tony Blair im Sinken ist. "Blair ist auch Schröder mit seinem schulmeisterhaften Wesen häufig auf die Nerven gegangen", so der deutsche Autor des im Vorjahr verfassten Schröder-Blair-Papiers.

Bucksteeg vertritt die These, dass die Menschen "einen starken Mann wollen, der ihre Probleme löst". Auch für die SPÖ "geht der Weg aus der Opposition nur mit einem starken Typen". Ob dies jetzt Alfred Gusenbauer sei, wollte er aber offen lassen.

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