EU reduziert Truppen in Bosnien-Herzegowina

2. März 2007, 11:45
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Auch Bundesheer plant Verringerung des Kontingents - Details des neuen Westbalkanbataillons beim Treffen der EU-Verteidigungsminister

Brüssel - Die Europäische Union wird in den kommenden Monaten ihre Truppenzahl in Bosnien-Herzegowina auf weniger als die Hälfte verringern. Statt bisher 6500 sollen dann nur noch 2500 europäische Soldaten in dem Balkanland stationiert sein, wie der scheidende EU-Militärstabschef Jean-Paul Perruche am Mittwoch in Brüssel ankündigte. Der Abzug soll nach seinen Worten drei bis vier Monate dauern, sagte Perruche, der am Mittwoch das Kommando an den britischen General David Leakey übergab.

Kontingent aus Österreich "stark reduziert"

Der Abbau der EU-Stabilisierungstruppe in Bosnien-Herzegowina um mehr als die Hälfte auf rund 2.500 Mann hat auch Folgen für das österreichische Bundesheer. Voraussichtlich bereits vor Herbst 2007 werde das Kontingent aus Österreich "stark reduziert", berichtet die "Wiener Zeitung" (Mittwochausgabe) unter Berufung auf das Büro von Verteidigungsminister Norbert Darabos.

Plausibel sei der Abzug von 150 bis 160 der gegenwärtig 274 in Bosnien-Herzegowina stationierten österreichischen Soldaten. Dennoch bleibt die Bosnien-Mission der drittgrößte Auslandseinsatz des Bundesheers nach dem Kosovo mit 567 und dem Golan mit 371 Mann.

Und der Schwerpunkt der Friedenssicherungseinsätze bleibe auch nach der Truppenreduzierung ganz klar der Westbalkan, sagte ein Sprecher von Darabos. So plane die EU eine "operative Reserve in Bataillonsstärke", die im Falle einer neuerlichen Verschärfung der Sicherheitslage in Bosnien-Herzegowina oder auch im Kosovo "rasch eingesetzt" werden könne.

Treffen der EU-Verteidigungsminister

Österreich werde sich an der rund 600 Mann starken Eingreiftruppe beteiligen, mit wie vielen Soldaten sei noch unklar. Über Details des neuen Westbalkanbataillons wollen die EU-Verteidigungsminister bei ihrem Treffen am Donnerstag und Freitag in Wiesbaden sprechen.

Als Grund für die Verkleinerung der EUFOR-Schutztruppe nennt die EU die verbesserte Sicherheitslage in Bosnien. Einige EU-Staaten fürchten jedoch mögliche Ausschreitungen in dem nach Unabhängigkeit von Serbien strebenden Kosovo, die auch Bosnien treffen könnten. Im Krisenfall kann die EU innerhalb von sechs Monaten die Zahl ihrer Soldaten wieder aufstocken.

Besonders Großbritannien will seine Truppen rasch aus Bosnien abziehen, da die Armee wegen der Einsätze in Afghanistan und Irak "überdehnt" sei. Die EU-Außenminister hatten bereits im Dezember im Grundsatz ihre Zustimmung für den teilweisen Truppenabzug gegeben. (APA)

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