Heiße Fragen an das ewige Eis

9. März 2007, 16:40
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Im Laufe des Internationalen Polarjahrs werden insgesamt 50.000 Wissenschafter die Arktis und die Antarktis beforschen - und österreichische Forscher das Franz-Josef-Land

Wien - Es war, man möchte es nicht glauben, ursprünglich eine österreichische Initiative. Die Idee zum Internationalen Polarjahr (IPY) hatte nämlich der k. k. Marineoffizier und Polarforscher Carl Weyprecht, der gemeinsam mit Julius Payer auf einer legendären Expedition 1873 das Franz-Josef-Land (heute Teil des russischen Staatsgebiets) entdeckt hatte.

Weyprecht war überzeugt, dass eine gründliche Erforschung der Polarregionen nur im Rahmen von zwischenstaatlich koordinierten Forschungsanstrengungen sinnvoll ist, und rief zu einer internationalen Kooperation auf, die zum ersten Internationalen Polarjahr führte. Das war vor mittlerweile 125 Jahren. Vor 75 Jahren folgte dann die zweite internationale Forschungsanstrengung dieser Art, 1957/58 die dritte. Alle drei Polarjahre dauerten übrigens nicht zwölf, sondern 24 Monate lang, und das wird auch diesmal so sein.

Beim nunmehr vierten Anlauf ist das IPY zu einer Riesenveranstaltung ungeahnter Dimensionen angewachsen. Über 50.000 Wissenschafter aus 60 Nationen werden in den nächsten zwei Jahren die globale Bedeutung der Polarregionen erforschen. Dringliche Themen

Das zentrale Thema des IPY liegt auf der Hand und ist von höchster Dringlichkeit: die globale Klimaerwärmung und die Rolle, die dabei die Regionen rund um den Nord- und den Südpol spielen. Denn auch im jüngsten Bericht des UN-Klimagremiums IPCC gesteht man ein, dass man über die Auswirkungen des Klimawandels auf die Arktis und die Antarktis noch vergleichsweise wenig weiß.

So ist zum Beispiel einigermaßen umstritten, ob die Antarktis tatsächlich ab dem Jahr 2040 im Sommer eisfrei sein wird, was einige Klimatologen prognostizieren. Ebenso unklar ist, ob das ewige Eis auf der anderen Seite des Globus taut. Satelliten liefern dis dato widersprüchliche Daten.

Eine heiße Frage ist auch, ob und wie die Eismassen Grönlands von der Erderwärmung betroffen sind. Falls sich die Gletscher dort verflüssigen sollten, würde das zu einem Anstieg des Meeresspiegels um vier Meter führen. Doch nicht nur die Küstenregionen wären von solchen Veränderungen der Polarregionen betroffen. "Auch hier in Mitteleuropa hätte das Auswirkungen", erklärt Wolfgang Schöner von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG).

Der Wiener Klimatologe leitet gemeinsam mit seinem Kollegen Andreas Richter den mit Abstand größten österreichischen Beitrag zum IPY, nämlich das Projekt FERMAP. Dieses Akronym steht für Franz-Josef-Land Environmental Research, Monitoring and Assessment Programme und wird sich vor allem mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die Gletscher am Franz-Josef-Land beschäftigen.

Womit sich auch der Kreis vom 1. zum 4. Internationalen Polarjahr schließt. Leider ist die Rolle Österreichs in der Polarforschung in der Zwischenzeit vom Initiator zur Marginale verkommen, was sich auch an konkreten Zahlen festmachen lässt. Weltweit stehen rund 500 Millionen US-Dollar für die wichtige Forschungsoffensive bereit. Österreich lässt sich das IPY nicht einmal eine Million kosten. (Klaus Taschwer/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1. 3. 2007)

  • Das Internationale Polarjahr war eine Idee von Carl Weyprecht, Entdecker des Franz-Josef-Landes. Nun kehren österreichische Klimatologen zu diesem nahezu weißen Fleck der nördlichen Polarregion zurück.
    foto: karl reiter

    Das Internationale Polarjahr war eine Idee von Carl Weyprecht, Entdecker des Franz-Josef-Landes. Nun kehren österreichische Klimatologen zu diesem nahezu weißen Fleck der nördlichen Polarregion zurück.

  • Genauere Informationen zu FERMAP (pdf-File)

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