Österreichern bleibt weniger Gehalt

20. März 2007, 15:36
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Besonders be­troffen sind laut OECD Singles und kinderlose Ehepaare - Schuld an der Entwicklung ist die kalte Progression

Paris/Wien - Ausgehend von der gesamten Steuer- und Abgabenlast auf die Arbeitskosten (einschließlich Sozialbeiträge, Kommunalsteuer und Familienlastenausgleichsfonds), liegt die Abgabenquote in Österreich um rund 20 Prozent über dem OECD-Mittel, geht aus den aktuellen Berechnungen der OECD hervor.

So blieben 2006 einem durchschnittlich verdienenden Single von jeweils 100 Euro, die dieser seinem Arbeitgeber kostet, noch 51,9 Euro über, nach dem Abzug von Steuer und Sozialbeiträgen (Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil). Im Jahr 2000 waren dies noch 52,7 Euro. Nur in Belgien, Deutschland, Ungarn und Frankreich seien die Gesamtabzüge höher. Für Alleinstehende ohne Kinder liegen die Abzüge vom Bruttolohn um rund ein Viertel über dem OECD-Schnitt.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) führt die hohe Abgabenlast u. a. auf die kalte Progression zurück. Darunter versteht man den Anstieg der Steuerbelastung ohne direkte Erhöhung der Steuersätze. Durch steigende Einkommen - etwa durch Nominallohnerhöhungen - steigt wegen des progressiv verlaufenden Einkommenssteuertarifs der Durchschnittssteuersatz und führt so zu größerer Steuerlast.

Für Familien mit Kindern und Alleinerziehende ist der Abstand zum OECD-Mittel kleiner, dafür sind hier die Belastungen weit stärker gestiegen. Für einen verheirateten Durchschnittsverdiener mit zwei Kindern (Partner arbeitet nicht) stiegen die Abzüge vom Bruttolohn zwischen 2000 und 2006 um 3,5 Prozentpunkte auf 18,6 Prozent.

Für einen ledigen gut Verdienenden ohne Kinder (167 Prozent des Durchschnittsgehalts) stieg die Abgabenlast nur 1,4 Prozentpunkte auf 37,7 Prozent. Für Alleinerziehende mit zwei Kindern und nur zwei Drittel des Durchschnittsgehalts verdreifachte sich die Abgabenlast von 1,8 auf 5,4 Prozent. Die SPÖ sieht Handlungsbedarf. (APA, cr, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 01.03.2007)

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