Endlich wieder schmerzfrei

30. Oktober 2007, 16:36
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Schmerz soll nicht als gegeben hingenommen werden, sind sich heimische Mediziner einig – Die Interdiszipli- narität spielt bei der Therapie eine bedeutende Rolle

"Jeder Mensch, der unter Schmerzen leidet, hat ein Anrecht auf Therapie", betont Michael Zimpfer, Vorstand der Uniklinik für Anästhesie und Allgemeine Intensivmedizin in Wien. In Österreich leiden rund eineinhalb Millionen Menschen an Schmerzen – 700.000 davon leiden chronisch.

Unbedingt behandeln

"Ältere Menschen mit chronischen Schmerzen denken oft, diese gehören zum Leben dazu - jüngere leiden häufig unter Rückenschmerzen und wollen nicht darüber sprechen, weil es in ihrem Alter nicht als 'schick' gilt schon unter Schmerzen zu leiden", erklärt Renate Barker. Als Präsidentin der Organisation 'Contra Dolorem' kennt sie das Problem. Schmerzfreiheit ist aber die Vorraussetzung für einen selbstbestimmten Alltag und Lebensqualität. Bei Nichtbehandlung bestehe die Gefahr der Verselbständigung des Schmerzes und somit einer Chronifizierung, warnt Zimpfer.

Rolle der Interdisziplinarität

Ein wichtiger Aspekt bei der Schmerzbehandlung ist die Zusammenarbeit zwischen den Disziplinen. "Die meist sehr komplexe Arbeit kann niemand alleine bewerkstelligen – diese führt von bildgebenden Verfahren über Onkologie und Orthopädie bis zur zur Anästhesiologie", weiß der Schmerzmediziner.

Ein Beispiel für die interdisziplinäre Arbeit: "Ein Chirurg kann sein Bestes geben, dennoch könnte das Narbengewebe danach auf einen Nerv drücken und Schmerzen verursachen. Eine weitere Operation würde das Problem weiter verstärken, da ist dann die Schmerzmedizin gefragt", so Barker. So genannte minimal-invasive Verfahren sind ein weiteres Bespiel für das Zusammenspiel von bildgebender Abklärung (Computertomographie) und gleichzeitigem chirurgischen Eingriff.

Krebserkrankungen und Schmerz

"Umfassende Schmerztherapie nimmt auch einen integralen Stellenwert in der Behandlung von Tumorpatienten ein, wobei besonderes Augenmerk auf die individuelle Schmerzsituation, Patientenautonomie und auf den Einsatz der jeweils bestgeeigneten Methoden gelegt werden muss", konstatiert Heinz Ludwig, Vorstand der 1. Medizinischen Abteilung am Wilhelminenspital der Stadt Wien, Zentrum für Onkologie und Hämatologie.

Tumorbedingte Knochenschmerzen ließen sich beispielsweise durch lokale Strahlentherapie lindern oder zu Abklingen bringen. Oberstes Ziel: die Ursache der Schmerzen zu beseitigen.

Psyche

Hinzu kommt bei der Interdisziplinarität die psychische Komponente: Auch die Seele beeinflusst die Empfindung von Schmerz. Am Anfang jeder Schmerztherapie soll daher ein ausführliches Gespräch stehen, sowie eine eingehende Untersuchung, die die individuellen Lebensumstände und die Krankheitsgeschichte berücksichtigt. "So kann der Teufelskreis aus Angst, Hoffnungslosigkeit und Schmerzen durch eine adäquate Therapie durchbrochen werden", ist Zimpfer überzeugt.

Anlaufstelle für Betroffene

Schmerzpatienten, Angehörige und Interessierte finden Unterstützung und Information bei 'Contra Dolorem', einer Nonprofit-Anlaufstelle. Ehrenamtliche Mitarbeiter setzen auf das persönliche Gespräch mit den Betroffenen, da die individuelle Sinneswahrnehmung oft schwierig zu verbalisieren ist.

Am Schmerztelefon oder per E-Mail werden auch Anfragen aus den Bundesländern beantwortet. Am Freitag, den 2.März findet im Wiener Rathaus auch der zweite Wiener Schmerztag statt. Dort gibt es umfassende Beratung über Schmerzentstehung und Schmerzvermeidung, der Eintritt ist frei. (mat, derStandard.at, 28.2.2007)

Siehe:
Interview: Pflaster statt Medikamente

Veranstaltung:
2. Wiener Schmerztag – Aktiv gegen Schmerz
Termin: Freitag, 2. März 2007, 9:30 – 19:00
Ort: Wiener Rathaus, Festsaal, Eingang Lichtenfelsgasse2/Lift
Der Eintritt ist frei

Links:
2. Wiener Schmerztag
Internetplattform: Contra Dolorem

Info und Beratung:
'Contra Dolorem' per E-Mail unter info@schmerzinformation.org erreichbar.

  • Schmerzen sind ein Volksleiden, das ernst genommen werden sollte
    foto: photodisc

    Schmerzen sind ein Volksleiden, das ernst genommen werden sollte

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