Baumax Wettlauf um den Osten

15. März 2007, 08:39
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Bauhandelskonzern duelliert sich mit deutschen Ketten - Obi startet in Kroatien - Sonntag bleibt tabu

Wien – Baumax erzielt bis Jahresende erstmals mehr als die Hälfte des Geschäfts in Osteuropa. Die Baumarktkette steckt heuer 130 bis 150 Mio. Euro in elf neue Standorte, fünf davon eröffnen auf 50.000 Quadratmetern in Rumänien. Der Umsatz soll um acht Prozent auf 1,25 Milliarden Euro steigen. 2006 gab es ein Plus von flächenbereinigt 2,85 Prozent. Stolperstein sind aber zähe Genehmigungsverfahren, sagt Konzernchef Martin Essl. Sie zögen sich bis zu sieben Jahre, regionale Betreiber würden oft bevorzugt. Und als Erstinvestor müsse Baumax vielfach für Infrastruktur und Verkehrsanbindungen aufkommen.

Obi startet in Kroatien

Essl sieht im Osten in zehn Jahren ähnlich harten Wettbewerb wie in Österreich. „Da ist der Run um die besten Standorte, die Renditen sinken.“ Die Gruppe trifft in den neuen EU-Ländern auf starke deutsche Konkurrenten. Obi etwa steigt heuer über Wien in Kroatien ein und will dort bis 2011 ein flächendeckendes Netz an Filialen aufziehen, sagt Unternehmenssprecherin Eva Auer dem Standard. Obi Österreich betreut zudem Slowenien und Bosnien. Praktiker ist zwar an Österreich gescheitert, baut jedoch rasant in Rumänien und Bulgarien aus. Die ehemalige Metro-Tochter erzielt ein Viertel des Umsatzes im Osten.

Auch Bauhaus gewinnt dort an Boden. Hornbach wiederum startet heuer neun neue Märkte; sechs davon im Ausland mit je 15.000 Quadratmetern, heißt es aus der deutschen Konzernzentrale. Österreich sei nicht dabei, langfristig sehe man sich aber auch hier nach neuen Flächen um. Baumax ist in sechs Ost-Ländern vertreten. 2008 ist der Sprung nach Bulgarien geplant, über den Einstieg in die Türkei entscheidet Essl heuer. Ziel sei, mittelfristig zwei Drittel des Geschäfts im Ausland zu erzielen. Filialen in Österreich werden modernisiert.

Geht die geplante Verlängerung der Ladenöffnung durch, will Baumax künftig um sieben Uhr und somit eine Stunde früher als bisher aufsperren. Die bisherige Regelung sei absurd, klagt Essl. "Wir haben allein in Österreich neun verschiedene Öffnungszeiten."

Der Sonntag bleibt für Essl tabu, er streicht zudem hervor, dass christliche Werte im Konzern eine große Rolle spielten. Baumax stößt in der Gewerkschaft dennoch auf wenig Gegenliebe. Die Kritik: Baumax hat trotz tausender Mitarbeiter nur vereinzelt Betriebsräte. In der Vergangenheit gab es immer wieder offene Fragen zur Arbeitszeitregelung.

Betriebsratswahlen scheiterten, die Gewerkschaft sprach von Einschüchterung. Für Essl unverständlich. Wenn die Mitarbeiter keinen Betriebsrat wünschen, sei das eben zur Kenntnis zu nehmen. Die GPA versuchte jedoch aggressiv, Kunden zu akquirieren. Gewerkschafter Karl Dürtscher. "Wir werden nicht locker lassen." (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 01.03.2007)

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    Baumax-Chef Martin Essl weist Kritik zurück, Betriebsräte zu verhindern.

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