10.000 verlieren bei Airbus ihren Job

19. März 2007, 11:12
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Der europäische Flugzeughersteller ergreift einschneidende Maßnahmen, um aus der Krise zu kommen. 10.000 Jobs werden insgesamt gestrichen, drei Werke werden geschlossen

Toulouse/Hamburg – "Es sind die härtesten Sanierungsmaßnahmen in unserer Unter_nehmensgeschichte." Airbus-Chef Louis Gallois bestätigte am Mittwoch in Toulouse die bereits seit zwei Tagen in Gewerkschaftskreisen kolportierten Zahlen: Airbus will im Zuge des Sanierungsprogramms dre Werke schließen und 10.000 Stellen einsparen. Die Hälfte davon entfalle auf Zulieferer und Leiharbeiter. Von den betroffenen Stellen liegen 3700 in Deutschland, 4300 in Frankreich, 1600 in Großbritannien, 400 entfallen auf Spanien. Auch der österreichische Zulieferer Fischer FACC könnte von den Sparmaßnahmen betroffen sein, über den Umfang gibt es aber noch keine Schätzungen. Fischer stellt für Airbus Landeklappenverkleidungen her.

Den Deutschen versuchte der deutsche Co-Chef der Muttergesellschaft EADS, Tom Enders, das Sanierungsprogramm schmackhaft zu machen. Es sei eine gute Grundlage, um das Unternehmen "aus dem Dreck zu ziehen". Und: "Wer es ablehnt, der kann genauso gut die weiße Fahne hissen und Boeing das Feld überlassen." Nicht unzufrieden ist die deutsche Regierung. Wirtschaftsminister Michael Glos betonte in der Kabinettssitzung der Regierung, "dass es gelungen ist, die deutschen Interessen durchzusetzen und wahrnehmbar in die Verhandlungen einzubringen". Zuletzt hatte die deutsche Kanzlerin Angela Merkel beim französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac persönlich darauf gepocht, die Lasten bei der Sanierung zwischen Deutschland und Frankreich gerecht zu verteilen.

Der Konzern will die deutschen Werke Varel (Niedersachsen) und Laupheim (Baden-Württemberg) sowie die französische Niederlassung in Saint-Nazaire verkaufen. An Risikopartner abgetreten werden sollen die Standorte Nordenham (Niedersachsen) sowie Méaulte in Frankreich und Filton in Großbritannien.

Das neue Airbus-Langstreckenflugzeug A350 soll in Toulouse zusammengebaut werden. Dafür werde der Arbeitsanteil des Hamburger Airbus-Werkes für den Zusammenbau des A320 zulasten von Toulouse erhöht.

Airbus hat derzeit 55.000 Mitarbeiter, darunter 15.000 in der Verwaltung. Ein Teil der Verwaltungsfunktionen soll mit denen des Mutterkonzerns EADS zusammengelegt werden. In der Produktion soll kein fester Arbeitsplatz wegfallen. Die französischen Gewerkschaften zeigten sich am Mittwoch erzürnt. Die Mobilisierung gegen den geplanten Stellenabbau und die Airbus-Werksverkäufe müsse anschwellen, es werde als Protest dagegen spontane und auch organisierte Arbeitsniederlegungen geben, kündigte ein Sprecher an. Auch der Europäische Metallgewerkschaftsbund und die deutsche IG Metall haben massive Proteste gegen das Programm angekündigt.

Frankreichs Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal will bei ihrem Deutschland-Besuch nächste Woche bei Bundeskanzlerin Angela Merkel auf ein "Moratorium" bei Airbus dringen. Wenn sie gewählt werde, wolle sie die gesamte Führung des Flugzeugbauers auf den Prüfstand stellen, sagte Royal. "Ich verlange ein Moratorium. Ich werde daran arbeiten, dass es eine Konvergenz und eine Übereinkunft mit Angela Merkel gibt." (mimo, bau, dpa, Reuters, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 01.03.2007)

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    Das deutsche Airbus-Werk in Hamburg soll stärker in den Bau des A320 eingebunden werden, dafür bekommt Toulouse den Bau zukunftsträchtigen A350 allein.

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