Nicht stark genug für das Podest

16. März 2007, 11:41
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Alexander Wurz schätzt die Leistungsfähigkeit seines Williams nüchtern ein: "Kampf um Punkte mit Honda und Toyota" - ein Interview

Barcelona - Nach fast sieben Jahren auf der Ersatzbank kehrt Alexander Wurz am 18. März in Melbourne als Rennpilot von Williams-Toyota in die Startaufstellung zurück. Der 33-jährige Niederösterreicher philosophiert über seine Ziele, Nervosität und darüber, dass Geld alleine nicht glücklich macht.

Viele Teams haben bei den Wintertests Probleme bekundet. Wo steht Williams zweieinhalb Wochen vor Saisonstart?

"Zufrieden kann man in Wirklichkeit nie sein, aber die Richtung passt. Die Basis ist auf jeden Fall da, dass wir uns vom achten Platz der Konstrukteurs-WM nach vorne bewegen können."

BMW-Sauber etwa hat einen großen Sprung nach vorne gemacht. Kann man auch mit dem neuen Williams auf das Podest fahren?

"Den größten Sprung hat sicher BMW gemacht. Zumindest sieht es nach den Wintertests danach aus. Im Augenblick sehe ich uns nicht so stark, dass wir aus eigener Kraft aufs Podest fahren können. McLaren, BMW, Ferrari und Renault sind vor uns. Wenn die alle standfest sind und ins Ziel kommen, wird es schon ein ganz harter Kampf um Punkte mit Honda und Toyota. Es wird eine sehr harte Saison, kein Honiglecken, aber eine coole Herausforderung."

Wie schwer ist es für Privatteams in der modernen Formel 1 wirklich, große Werksteams mit zum Teil deutlich höherem Budget noch zu schlagen?

"Geld alleine macht nicht glücklich, auch nicht erfolgreich. Wir brauchen uns aber nichts vormachen: Es hilft, wenn man die Kohle hat. Das Wichtigste ist aber, dass alle in einem Team am selben Strang ziehen. Zwischenmenschliche Probleme sind teilweise fatal, vernichten Geld und mögliche Aussichten auf Erfolg."

Worin besteht dann in der kommenden Saison der technische Erfolgsfaktor Nummer eins?

"Es dreht sich eigentlich immer alles um die Aerodynamik. Aber so einfach ist das natürlich nicht. Ein Formel-1-Auto ist eine Summe unzähliger Kompromisse. Wer es schafft, auf dem schmalen Grat, der vom Reglement her noch offen ist, das effizienteste Auto zu machen, der hat die besten Karten - vorausgesetzt, das Auto ist dann auch standfest. Die Formel 1 ist das Spielfeld der besten Ingenieure der Welt. Es findet ein Kräftemessen auf höchstem technischen Niveau statt. Da ist jedes Detail ein unerlässlicher Baustein zum Erfolg."

Wer fügt diese Bausteine im Moment am Besten zusammen? Wer ist WM-Favorit bzw. gibt es überhaupt einen?

"Gute Frage, es ist schwer zu sagen. Im Augenblick, denke ich, hat Mercedes die Nase vorn, aber nur ganz knapp vor Ferrari und BMW. Renault ist genauso dabei, aber den Ton werden sie nicht mehr so angeben wie im Vorjahr."

Auf dem Fahrersektor hat sich auch sehr viel getan. Wer hat das Potenzial für Überraschungen?

"Potenzial haben viele, Gewinner gibt es wieder nur einen."

Was aber erwartet sich Alex Wurz in seiner Comeback-Saison von sich selbst?

"Ich will mit dem Team gemeinsam eine bessere Performance zeigen als im Vorjahr - ein Aufgabe, die nicht immer in Resultaten messbar ist. Wir wollen auf alle Fälle so wenige Fehler wie möglich machen."

Inwiefern waren die Vorbereitungen 2007 anders als in den vergangenen Jahren? Ist die Anspannung als Rennpilot größer?

"Im Augenblick bin ich recht ruhig, aber ich freue mich schon sehr, wenn in Australien die Nervosität dazu kommt. Genau das ist ja das Schöne am Rennfahren. Aber angespannt im Sinne des Wortes will ich nicht sein. Das Schönste ist es, eine Mischung aus innerer Lockerheit und Gelassenheit mit leichter Aufregung und Nervosität zu spüren. Ein feiner Unterschied im Wortlaut, der für einen Sportler aber Welten ausmachen kann." (APA)

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    "Den größten Sprung hat sicher BMW gemacht"

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