Cerberus darf Bawag kaufen

13. März 2007, 12:49
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EU genehmigt Übernahme, Beihilfe-Prüfverfahren läuft noch - Bank über Tempo in Brüssel erfreut, glaubt auch an restliche Bewilligungen

Brüssel/Wien - Der US-Fonds Cerberus ist der Bawag-Übernahme am Mittwoch einen großen Schritt näher gekommen: Die EU-Kommission hat heute grünes Licht für die Übernahme der awag P.S.K. durch die Amerikaner gegeben. Die Prüfung erfolgte im vereinfachten Verfahren. Die Brüsseler Wettbewerbshüter sehen durch die Transaktion den Wettbewerb nicht beeinträchtigt. Die awag P.S.K. ist die fünftgrößte Bank Österreichs.

In der awag Wien war das Grüne Licht der EU-Kommission für die Übernahme der Bank durch Cerberus erwartet worden. "Es freut uns, dass es so schnell gegangen ist", sagte Banksprecher Thomas Heimhofer in einer ersten Reaktion. Grundsätzlich hätten die EU-Kommission bis zum 5. März für ihre Entscheidung Zeit gehabt.

Die Amerikaner blättern für die im Jahr 2006 durch frühere Spekulationsverluste gefährlich ins Wanken geratene Gewerkschaftsbank in Österreich 3,2 Mrd. Euro hin, wobei 2,6 Mrd. Euro an den bisherigen Eigentümer ÖGB zum Schuldenabbau gehen und rund 600 Mio. Euro in eine Kapitalerhöhung bei der Bawag selbst fließen werden.

Teuerster Bar-Bankkauf

Es handelt sich um den teuersten Bar-Bankkauf in der österreichischen Wirtschaftsgeschichte. Neben Cerberus werden mit geringen Anteilen der Versicherer Generali, die österreichische Wüstenrot, die österreichische Post sowie eine Gruppe österreichischer Unternehmer um Hannes Androsch beteiligt sein. Auch in dieser Woche wird gerade wieder um die Aufteilung in der Käufergruppe verhandelt.

Die EU-Prüfung der Staatshaftung für die Bawag P.S.K geht auch nach der heutigen Freigabe des Verkaufs weiter. "Das sind zwei völlig getrennte Verfahren", sagte der Sprecher von EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes. Einen Zeitraum, wie lange die Prüfung noch dauern wird, wollte er nicht nennen.

Ein Closing vor dem Ende der Prüfung würde das Risiko mit sich bringen, dass der neue Eigentümer eventuelle unrechtmäßig kassierte Staatsbeihilfen zurückzahlen müsste, so der Sprecher in Brüssel. Die Republik Österreich hatte Anfang Mai 2006 eine 900 Millionen-Haftung für die damals akut gefährdete Bank übernommen. Seither untersucht die Kommission, ob das Rettungspaket unter jene besonderen Bedingungen gefallen ist, unter denen Beihilfen trotz des grundsätzlichen Verbots zulässig sind.

Formelles Prüfverfahren

Im November wurde eine formelles Prüfverfahren eingeleitet, das in der Regel mindestens sechs Monate dauert. Die EU-Kommission müsse prüfen, "ob diese Bedingungen erfüllt sind, um eine Wettbewerbsverzerrung auszuschließen und sicherzustellen, dass die Umstrukturierung der Bawag P.S.K. gute Aussichten auf Erfolg hat", hieß es damals.

Bei den auf strikte Rechtsrahmen bedachten Käufern Cerberus und Konsorten denkt indes niemand daran, das Closing vor dem endgültigen Brüsseler Sanktus zu vollziehen. Aus jetziger Sicht ist der Aktienübertrag für Anfang bis Mitte Mai anberaumt.

Die anderen behördlichen Prüf- und Genehmigungsverfahren sollen nach Einschätzung der Bawag-Manager ebenso glatt gehen. Alles werde "Schritt für Schritt" passieren, ist man überzeugt.

Am Donnerstag treffen die Aufsichtsräte der Noch-Gewerkschaftsbank wieder zu einer routinemäßigen Arbeitssitzung zusammen. Es wird eine der letzten Sitzungen in der alten Formation sein. Im Mai nach dem Closing werden die neuen Eigentümervertreter gewählt. Erst dann kann es weiter führende Beschlüsse über die künftige BAWAG-Strategie geben. (APA)

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