Paris: Großer Picasso-Raub

1. März 2007, 13:53
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Zwei auf 50 Millionen Euro geschätzte Bilder verschwanden aus der Wohnung der Künstlerenkelin - Experten: "schwer verkäuflich"

Paris - Zwei Gemälde von Pablo Picasso im Schätzwert von zusammen 50 Millionen Euro sind aus der Pariser Wohnung von Diana Widmaier-Picasso, einer Enkelin des Jahrhundertkünstlers (1881-1973) gestohlen worden. Nach Angaben der Polizei vom Mittwoch handelt es sich um das mit 60 mal 40 Zentimetern relativ kleine Bild "Maya à la poupée", das Picassos Tochter Maya mit einer Puppe zeigt. Das zweite gestohlene Werk ist ein 170 mal 150 Zentimeter großes Porträt der zweiten und letzten Ehefrau des Malers, Jacqueline. Die Bilder wurden in der Nacht zum Dienstag ohne Anzeichen eines Einbruchs aus der Wohnung im 7. Pariser Stadtbezirk entwendet.

Die Ermittlungen leitet die auf Banden-Kriminalität spezialisierte Abteilung der Pariser Kripo. Die Bilder sind nach Angaben der Ermittlungsbehörden "nur schwer verkäuflich". Gleich nach dem Diebstahl wurden Bilder von den Werken in Frankreich und in den Mitgliedsländer von Interpol verteilt. "Der Kunstmarkt wurde ebenfalls sensibilisiert", betonte der stellvertretende Kommandant des Zentralamtes gegen den Raubhandel von Kunstobjekten OCBC, Bernard Darties, und fügte hinzu, dass Kunsthändler und Kunstgalerien gewarnt wurden. Gemälde von einem solchen Bekanntheitsgrad sind nach den Angaben immer "schwer verkäuflich" und auf dem legalen Markt "absolut unverkäuflich, denn man kauft nicht ein Bild von mehreren Millionen Wert ohne Zertifikat". Auf dem Schwarzmarkt könne sich der Dieb nicht mehr als zehn Prozent des Marktwertes erwarten. Laut Darties könnte der Diebstahl auch von jemandem beauftragt worden sein, allerdings komme es bei Kunstdiebstählen relativ selten vor, dass ein direkter Auftraggeber existiert. "Die Dinge erfolgen stets über Mittelsmänner", betonte der OCBC-Vizedirektor.

Die Direktorin des Pariser Picasso-Museums, Anne Baldassari, sagte ohne Einzelheiten zu nennen, aus der Wohnung seien mehrere Gemälde und Zeichnungen gestohlen worden. Es handele sich um einen "sehr großen Raub". Die Polizei bestätigte bis jetzt allerdings nur die Entwendung der beiden oben genannten Bilder.

Zahlreiche Porträts

Der renommierte Kunsthistoriker und Picasso-Spezialist Prof. Werner Spies bezeichnete die gestohlenen Bilder als "wichtige Werke". In seiner vor etwa zehn Jahren in Stuttgart und Düsseldorf gezeigten Ausstellung "Picasso - Die Welt der Kinder" habe er auch ein Maya-Gemälde Picassos aus den 1930er Jahren gezeigt, sagte Spies am Mittwoch. Picassos Geliebte Therese Walter brachte 1935 die Tochter Maya zur Welt. Von Jacqueline Roque, mit der Picasso von 1961 bis zu seinem Tod 1973 verheiratet war, habe der Künstler zahlreiche Porträts in seinem letzten Lebensjahrzehnt geschaffen, erläuterte der in Frankreich lebende Kunsthistoriker, der bereits mehrere Picasso-Schauen konzipiert hat. Spies war von 1997 bis 2000 Direktor des Nationalmuseums für zeitgenössische Kunst im Centre Pompidou in Paris.

Die Werke von Picasso erzielen auf dem internationalen Kunstmarkt Höchstpreise. Auf der Liste der zehn teuersten Gemälde der Welt ist der spanische Künstler gleich drei Mal vertreten - an zweiter, dritter und neunter Position. Sein teuerstes Gemälde ist mit einem Schätzwert von 107 Mio. Euro "Junge mit Pfeife". Das Werk "Dora Maar mit Katze" wird auf 86,2 Mio. Euro geschätzt, "Frau mit den verschränkten Armen" ist rund 60,5 Mio. Dollar wert, das wären heute rund 49 Mio. Euro. Reichhaltig das künstlerische Erbe, das der 91-Jährige nach seinem Tod 1973 im französischen Mougins hinterließ: fast 1900 Gemälde, 3200 Keramiken, 7000 Zeichnungen, 1200 Skulpturen und 30.000 Grafiken. (APA/dpa/AP)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Abgängige "Maya à la poupée"

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